Für den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel führt das Ergebnis der Bundestagswahl nicht automatisch zur Bildung einer Großen Koalition mit der CDU/CSU. "Es ist nichts entschieden, es gibt keinen Automatismus", sagte Gabriel nach einer Sitzung des SPD-Vorstands. Die SPD sei grundsätzlich offen für eine Zusammenarbeit, mache dies aber von einer Einigung in inhaltlichen Fragen abhängig.

Gabriel sagte, er habe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz telefoniert und ihr gesagt, dass die SPD ihren kleinen Parteitag am Freitag vor einer Entscheidung abwarte. Dafür habe die CDU-Vorsitzende Verständnis gezeigt.

Die SPD habe zwar keine Vorfestlegungen, aber sehr wohl ein 100-Tage-Programm. "Was jetzt beginnt, ist eine ergebnisoffene Suche", sagte Gabriel. "Die SPD steht jetzt nicht Schlange oder bewirbt sich, nachdem Frau Merkel ihren jetzigen Koalitionspartner ruiniert hat", sagte er mit Bezug auf die FDP, die im Vergleich zu 2009 fast zehn Prozent verloren hatte und mit 4,8 Prozent erstmals den Einzug in den Bundestag verpasst.

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, es sei jetzt die Aufgabe Merkels, eine Mehrheit zu finden, "und die SPD drängt sich nicht auf". Für die Sozialdemokraten gelte es, "so geschlossen wie möglich eine Position zu finden". Beide wollten auf Fragen nach möglichen Bedingungen für eine Koalition mit der Union keine Antworten geben, sondern verwiesen auf den Parteikonvent. Die Parteiführung werde für das Treffen am Freitag allerdings einen "Verfahrensvorschlag" unterbreiten, sagte Gabriel.

Steinbrück an die Fraktionsspitze?

Erste Personalien klären sich nun: Frank-Walter Steinmeier will sich am Dienstag oder Mittwoch zunächst im Amt des Fraktionsvorsitzenden bestätigen lassen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, er unterstütze dies "selbstverständlich". Steinbrück sagte auf die Frage, ob er nicht auch Fraktionschef werden könnte, "Die Frage steht nicht an."

Steinbrück hatte für sich persönlich ausgeschlossen, Minister unter Kanzlerin Merkel zu werden. Auch die Übernahme der Parteispitze ist nach dem Scheitern seiner Kanzlerkandidatur unwahrscheinlich. Deshalb ist auch ein Wechsel Steinbrücks an die Fraktionsspize ein denkbares Szenario.   

Die SPD hatte sich bei der Bundestagswahl im Vergleich zu 2009, als sie nur 23 Prozent erzielt hatte, zwar etwas verbessert. Das Ergebnis von 25,7 Prozent vom Sonntag war aber immer noch das zweitschlechteste Resultat der Nachkriegszeit. Die Union erzielte 41,5 Prozent. Nach dem Ergebnis bleibt für eine Regierungsbildung die Möglichkeit einer Großen Koalition oder eines Bündnisses von Union und Grünen .