Die SPD gibt sich auch am Tag nach der Bundestagswahl kämpferisch. "Weitermachen", erinnerte ihr Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an einen Ausspruch des einstigen Fraktionschefs Herbert Wehner nach einer Wahlniederlage. "Das gilt jetzt auch für uns", hob er hervor.

Gleichwohl hielten sich sowohl er als auch Parteichef Sigmar Gabriel mit konkreten Aussagen zu einer möglichen Regierungsbeteiligung zurück. Der SPD-Vorsitzende fand vor allem lobende Worte für den "fulminanten Wahlkampf" seines Kandidaten und gab sich erleichtert über Steinbrücks Zukunftspläne: "Vielen herzlichen Dank auch dafür, dass Du an Bord bleibst und dass Du mit uns gemeinsam die SPD weiterhin führen willst."

Mit Lob für den obersten Wahlkämpfer wollen sich Teile der SPD aber nicht länger aufhalten. Die Parteilinke stellt die Frage nach einem erneuten Bündnis mit der Unionskanzlerin Angela Merkel schon jetzt – und kann sie nicht so ohne Weiteres bejahen. Fraktionsvize Axel Schäfer sagte Spiegel Online : "Ich möchte mich nicht noch einmal unter das Joch von Frau Merkel begeben." Die Sprecherin des linken SPD-Flügels, Hilde Mattheis, mahnte, eine Große Koalition werde den Sozialdemokraten "nicht gut tun" und dürfe "nicht um jeden Preis" eingegangen werden.

"Mehr Offenheit für Rot-Rot-Grün"

Auch der Berliner SPD-Chef Jan Stöß warnte vor einer raschen Entscheidung zugunsten der Union. "Ich möchte da gar nicht so schnell sein", sagte er dem Sender RBB. Die SPD habe "auch bei leichten Zuwächsen keinen Regierungsauftrag" bekommen. Diesen habe die Union. "Wir haben einen Oppositionsauftrag bekommen, und wenn Sie mich fragen, sollten wir den auch annehmen", sagte Stöß. "Wir machen keinen Steigbügelhalter für schlechte Politik."

Der Juso-Bundesvorsitzende Sascha Vogt äußerte sich ebenfalls skeptisch. "Für ein 'Weiter so' nach Merkelscher Art darf die SPD nicht zur Verfügung stehen", sagte er. "Und Opposition muss kein Mist sein", fügte Vogt hinzu.

Der Widerstand gegen die Juniorrolle in einer Koalition mit der Kanzlerin ist groß, die Sehnsucht nach anderen Machtoptionen auch. "Die Ausschließeritis hat uns im Prinzip nicht geholfen", sagte die SPD-Linke Mattheis. Deutlicher wird ihr Parteikollege Vogt, der für "mehr Offenheit für rot-rot-grüne Bündnisse" plädierte. Dafür müssten SPD und Linke in den kommenden Jahren den Boden bereiten. Dieser Meinung ist auch der SPD-Chef in Schleswig-Holstein , Ralf Stegner. "Ich glaube, es wird der letzte Wahlkampf gewesen sein, wo wir sagen, mit denen oder jenen nicht", sagte Stegner.

Merkel will abwarten

Momentan erwarten die Sozialdemokraten eine intensive Debatte über das Für und Wider einer Zusammenarbeit mit der Union. "Das wird ein langer Weg", sagte Stegner, äußerte aber große Zweifel über die Erfolgsaussichten: "Ob es überhaupt geht, weiß ich nicht." Endgültige Festlegungen wurden am Montag aber nicht erwartet, zumal Grüne und SPD erst Ende der Woche ihre Linie festlegen wollen.

Die SPD hat für Freitag zu einem Parteikonvent geladen, was auch die zeitliche Taktung möglicher schwarz-roter Verhandlungen beeinflusst. So ist die Bundeskanzlerin nach eigenen Angaben bereits im Gespräch mit der SPD-Parteiführung. Sigmar Gabriel, so Merkel, habe sie aber "ausdrücklich gebeten", dass die SPD zunächst ihren Kleinen Parteitag abhalten kann. "Das gilt es abzuwarten."