Der Wahlkampf kommt mit Kuchen. Elfi Scho-Antwerpes, die Direktkandidatin der SPD im Wahlkreis 94 in Köln, steht in meiner Wohnungstür und hält mir ein Päckchen einer Kölner Bäckereikette entgegen. Sie ist 60 Jahre alt, blond, trägt eine runde Hornbrille und einen schwarzen Hosenanzug. Sie schlägt vor, sich in die Küche zu setzen: "Hier sitzt man sich doch schöner gegenüber", sagt sie. Dass sie mich zu Hause besucht, gehört zu ihrer Wahlkampfkampagne "Für die Menschen. Für Köln."

Im Kampf um die Stimmen für die Bundestagswahl setzen vor allem die Sozialdemokraten auf Bürgernähe. Bundesweit wollen sie an fünf Millionen Haustüren Werbung machen. Vor allem Unentschiedene und Nichtwähler sollen damit an die Urne bewegt werden. Die meisten Sozialdemokraten klingeln spontan und unterhalten sich einige Minuten an der Wohnungstür.

Elfi Scho-Antwerpes, die zum ersten Mal für den Bundestag kandidiert, nimmt sich eine ganze Stunde Zeit. In Köln ist sie allerdings keine Unbekannte, weswegen sie vielleicht auch viele gerne in die Wohnung lassen: Seit 2004 ist sie im Stadtrat und eine von vier Bürgermeisterinnen. Sie kommt auch nicht unangekündigt. Vorher verteilt sie Postkarten, auf denen der Wähler ankreuzen kann, ob er Mitglied in ihrer Partei werden will, für den Wahlkampf spenden oder – falls ihm das alles etwas übereilt erscheint – dass er sie zu Hause sprechen möchte. "Kuchen bringt sie mit", steht dahinter. Es kann ja nicht schaden, denke ich mir, denn ganz entschieden habe ich mich für den 22. September auch noch nicht, und mache mein Kreuz bei dem Kuchen.

Nichts würde sie aus der Ruhe bringen

Aber was mache ich nun eigentlich mit einer Stunde Privatwahlkampf? Hätte ich mich vorbereiten sollen? Oder sollte die Kandidatin mir nicht etwas bieten? Elfi Scho-Antwerpes schüttet sich jedenfalls erst einmal viel Milch in die Kaffeetasse und sagt: "Ich mache mir mal einen Kinderkaffee." Irgendetwas zwischen "Meine Nachbarn schmeißen ihren Müll neben die Tonne. Tun sie was dagegen!" und "Wo sehen Sie die deutsche Sozialdemokratie in den kommenden 20 Jahren?" wäre jetzt wahrscheinlich okay. Ich habe den Eindruck, Elfi Scho-Antwerpes würde nichts davon aus der Ruhe zu bringen.  

Ich sage: "Ich habe ja bisher eher die Grünen gewählt. Warum sollte ich denn als junge Frau die SPD wählen?" Elfi lehnt sich zurück in meinen Ikea-Klappstuhl. Weil die SPD sich dafür einsetze, dass Frauen in Unternehmen gleichgestellt seien, sagt sie. In den Betrieben solle aufgedeckt werden, ob Männer und Frauen den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit bekämen. Das Betreuungsgeld werde mit der SPD wieder abgeschafft und mit dem Geld, verspricht sie, sollen neue Kita-Plätze entstehen. Überhaupt solle Bildung vom Kindergarten bis zur Uni kostenfrei sein. Gleich zwei Punkte für die Kandidatin in der ersten Runde. Frauen- und Bildungspolitik: check!

"Das klingt ja gut. Aber wie finanzieren Sie das denn?", frage ich. "Durch Steuererhöhungen", ist Elfis Antwort, "für die Reichen", fügt sie hinzu. Sie vertraue Peer Steinbrück in Finanzfragen. Vertrauen in den Kanzlerkandidaten: check! Ach ja, Peer Steinbrück! "Die Kanzlerkandidatur haben drei Männer unter sich ausgemacht." Ja, sagt Elfi. "Aber unsere Hannelore Kraft hat ja gesagt, dass sie in Nordrhein-Westfalen bleibt." Außerdem gebe es noch mehr Frauen, zum Beispiel Manuela Schwesig, die Arbeitsministerin in Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende Bundesvorsitzende oder Svenja Schulze, die Wissenschaftsministerin in NRW. Besonders "klasse" findet Elfi Scho-Antwerpes das Gespann aus Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihrer Stellvertreterin Sylvia Löhrmann (Grüne). Frauenpower in der SPD: check!