Sieben Unionsfrauen verlangen von der Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt , sich aktiver in der Pädophilie-Debatte ihrer Partei zu äußern. In einem Brief, aus dem die Leipziger Volkszeitung zitiert, fordern die Politikerinnen um die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär Göring-Eckardt auf, sich in die Aufklärung der "Pädophilie-Verstrickungen" ihres Kollegen Jürgen Trittin einzuschalten.

"Als Mutter zweier Söhne dürfen Sie zu sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen nicht schweigen", heißt es in dem Schreiben. Ferner fordert Bär gemeinsam mit sechs Frauen aus dem Junge-Union-Bundesvorstand Göring-Eckardt auf, "einen übergreifenden Konsens für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Pädophilie" zu erarbeiten.

Trittin zeichnete 1981 für ein Kommunalwahlprogramm verantwortlich, in dem Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern gefordert wurde. Der Grünen-Spitzenkandidat hat dies als Fehler bezeichnet.

Unionsfraktionschef Volker Kauder ( CDU ) sagte, die Grünen sollten einen Beauftragten für die Angelegenheiten von Missbrauchsopfern ernennen. "Die Grünen sind dabei, ihre moralischen Ansprüche, die sie jahrelang als Maßstab ihrer Politik geltend gemacht haben, zu verspielen", sagte er der Zeitung Die Welt . Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt , bekräftigte die Forderung, Trittin solle sich von der Spitzenkandidatur zurückziehen. Ginge es um den politischen Gegner, wäre Trittin "einer der ersten, die sich entrüstet und einen Rücktritt gefordert hätten", sagte sie der Rheinischen Post .

"Spitzenkandidat steht im Sturm"

Grünen-Wahlkampfmanagerin Steffi Lemke sagte im Deutschlandfunk : "Wir haben unsere Verantwortung eingeräumt, unseren Fehler eingestanden und uns entschuldigt." Zu Trittin meinte sie: "Wir sind in einer extrem schwierigen Situation, wo er als Spitzenkandidat jetzt auch in einem Sturm steht, den wir selber zu verantworten haben." Gleichwohl sei Trittin "ein guter Spitzenkandidat, weil er die Partei in vielen Fragen gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt durch schwieriges Fahrwasser gesteuert hat".

Der unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, bescheinigte den Grünen, mit der unabhängigen Aufarbeitung der Pädophilie-Vorwürfe die richtige Entscheidung getroffen zu haben. "Auch schmerzhafte Ergebnisse werden veröffentlicht, das ist genau der richtige Weg", sagte Rörig dem Tagesspiegel . Zu Rücktrittsforderungen an Trittin sagte er, es müsse "in Ruhe und losgelöst vom Wahlkampf und von populistischen Forderungen entschieden werden, wie man auf die Opfer angemessen und sensibel zugeht".