Die Unionsspitze lehnt nach der Wahlniederlage der FDP in Bayern eine Zweitstimmenkampagne für die Liberalen im Bundestagswahlkampf klar ab. "Die Zweitstimme ist die Merkel-Stimme und die wollen wir für die Union gewinnen", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe

Dem schlossen sich die CSU-Bundesministerin Ilse Aigner und der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsbundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer, an. Das Ergebnis sei für die FDP Motivation, ihre Stammwähler zu aktivieren, sagte Grosse-Brömer. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die FDP im nächsten Bundestag vertreten sein wird."

"Im Wahlkampf kämpft jeder für sich allein", sagte Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier , der parallel zur Bundestagswahl am kommenden Sonntag eine Landtagswahl zu bestehen hat, dem Sender Phoenix . Er wies wie Gröhe auf das traditionell schlechte Abschneiden der FDP in Bayern hin, das sich weder in Hessen noch im Bund wiederholen werde.

Auch der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet warnte vor einer Zweitstimmenkampagne zugunsten des schwächelnden Wunschpartners FDP. "Es ist wichtig, dass die CDU-Wähler CDU wählen. Und das werden wir die nächsten sieben Tage auch in allen Landesverbänden zur Botschaft machen", kündigte Laschet in der ARD an. Schon vor der Bayern-Wahl hatten CDU-Spitzenpolitiker vor einer Zweistimmenkampagne gewarnt.    

Ungeachtet dessen wirbt die FDP gezielt um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager für die Bundestagswahl am kommenden Wochenende. "Das wird unsere Botschaft jeden Tag sein", sagte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle . Bei der Wahl am 22. September gehe es um eine Grundsatzauseinandersetzung, sagte er. "Es käme zu einer anderen Republik, wenn es nicht zu einer Fortsetzung bürgerlicher Politik mit einer stark liberalen Komponente kommt."

Bonner Modell soll ausgeweitet werden

Die Debatte über eine Zweitstimmenkampagne war neu aufgeflammt, nachdem Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in seinem Bonner Wahlkreis eine  Vereinbarung mit dem Ortsverband der CDU geschlossen hatte. Die Bonner CDU konzentriert sich demnach auf das Werben um die Erststimme und die Bonner FDP setzt auf die Zweitstimme.

Das Bonner Modell soll nun auf andere Wahlkreise ausgeweitet werden. Die FDP-Zentrale habe am Samstag an 80 ihrer Kandidaten in besonders umkämpften Wahlkreisen eine E-Mail geschickt, sagte ein FDP-Sprecher. Darin werde angeregt, vor Ort mit dem Mitbewerber von CDU oder CSU ein Stimmensplitting zu vereinbaren.