Viele sind unsicher, wen sie am 22. September wählen sollen. Dabei gibt es für alle Parteien gute Gründe. Ludwig Greven hat sie in einer nicht ganz ernst gemeinten Serie zusammengetragen. Heute: Was für die AfD spricht. Bisher erschienen: Fünf gute Gründe für die CDU, Fünf gute Gründe für die SPD, Vier gute Gründe für die Grünen, Drei gute Gründe für die FDP, Zwei gute Gründe für die Linke, Ein guter Grund für die Piraten.

Sprachrohr der Euro- und sonstigen Gegner

In einer parlamentarischen Demokratie sollen die Abgeordneten das gesamte Volk vertreten. So zumindest die Theorie. Eine Wählergruppe ist bislang aber im Bundestag so gut wie nicht repräsentiert: die Gegner der europäischen Einheitswährung. Zwar gibt es auch in den Reihen von Union, FDP, SPD und Grünen einige Euro-Skeptiker. Aber selbst die Linkspartei, die sonst fast alles ablehnt, was die anderen Parteien treiben, traut sich nicht, sich offen gegen den Euro zu stellen – bis auf der Altvorsitzende Oskar Lafontaine.

Und Rot-Grün hat, trotz Bauchschmerzen, alle Hilfspakete für die Schuldenländer mitgetragen. Die Opposition bietet also zumindest auf diesem Feld keine Alternative zur schwarz-gelben Politik.

Die neugegründete Alternative für Deutschland preist sich deshalb als Partei an, die den Anhängern der guten alten D-Mark und den Gegnern der Milliarden-Kredite an südeuropäische Staaten eine Stimme im Bundestag gibt. Auch wenn die vom Hamburger Ökonomen Bernd Lucke geführte Partei trotz ihres Namens keine wirkliche Alternative bietet, hat sie vor allem die Union ein wenig das Fürchten gelehrt und in den Medien für Aufmerksamkeit gesorgt.

Denn niemand weiß, wie viele Wähler aus dem Regierungslager am kommenden Sonntag zur AfD wechseln und damit womöglich eine schwarz-gelbe Mehrheit verhindern werden. Demoskopen vermuten, dass es unter Umständen mehr sein werden als die Umfragezahlen ausweisen.

Auf diese Weise entfaltet die AfD als Phantompartei mit einem einzigen Thema schon Wirkung, bevor sie den Wahltest bestanden hat, ähnlich wie die Piraten, die die anderen Parteien auch eine Weile aufgeschreckt haben. Selbst wenn sie am Sonntag unter fünf Prozent bleibt, werden die Kritiker der bisherigen Euro-Politik im Parlament Auftrieb bekommen.

Dumm nur, dass sich in der AfD wie in jeder Protestpartei viele Spinner mit bedenklichen Ansichten tummeln, vornehmlich aus dem rechten Lager. Von der Euro- zur Europa-Feindschaft ist es für manche von ihnen nicht weit, und auch sonst findet sich unter den Anhängern eine Menge an rechtspopulistischem bis braunem Gedankengut.

Union und FDP werden sich deshalb hüten, mit der AfD zu koalieren, sollte die den Sprung ins Parlament schaffen. Sie könnten sich infizieren. Scheitert die neue Partei, dürfte sie den Weg einschlagen, den bereits frühere bürgerliche Protestparteien wie die Republikaner oder die Schill-Partei gegangen sind: nach rechts außen. Wollen Sie da mitgehen?