Die Sozialdemokraten fordern eine Entschuldigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) für ihre Aussage, die SPD sei europapolitisch "total unzuverlässig". Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion , Thomas Oppermann , sagte: "Frau Merkel muss sich entschuldigen. Sie hat den Boden der fairen Auseinandersetzung verlassen."

Merkel versuche davon abzulenken, dass ihre eigene Fraktion ihr zunehmend die Unterstützung entzogen hat, sagte Oppermann mit Blick auf die Abstimmungen im Bundestag zu den Euro-Rettungsmaßnahmen. Die SPD hat im Bundestag alle Euro-Rettungsmaßnahmen der Regierung mitgetragen und ihr beim Rettungsschirm ESM die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit verschafft. Oppermann sagte, total unzuverlässig seien die Fraktionen von Union und FDP gewesen, die Merkel mehrfach die Kanzlermehrheit verweigert hätten.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte bereits am Dienstag im Bundestag während des letzten Rededuells der beiden Politiker vor der Bundestagswahl die von Merkel in einem ARD-Porträt gemachte Aussage kritisiert. Diese sei weit mehr als eine Verirrung in diesem Wahlkampf. "Sie müssen wissen, dass Sie damit Brücken zerstören", sagte Steinbrück an Merkel gewandt.

Laut Mitschrift in der noch nicht ausgestrahlten ARD-Sendung sagte Merkel: "In der Frage der Euro-Krise ist die Sozialdemokratie total unzuverlässig. Da ist von Euro-Bonds, Schuldentilgungsfonds, gemeinsamer Haftung bis hin auch zum Gegenteil alles gesagt worden."

Merkel hat ihre Kritik inzwischen relativiert. Gegenstand ihrer Aussagen sei nicht das Abstimmungsverhalten der Sozialdemokraten bei wichtigen Entscheidungen zur Bewältigung der Euro-Krise gewesen, ließ die Regierungschefin am Dienstagabend mitteilen. Vielmehr sei es um die gegensätzlichen Auffassungen von Bundesregierung und SPD über Euro-Bonds, Schuldentilgungsfonds und gemeinschaftliche Haftung in der Euro-Zone gegangen.

Steinbrück akzeptierte die Klarstellung in der Erklärung nicht. "Das ist mir völlig egal, was da drin steht", sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Rande einer Wahlkampfveranstaltung. "Sie hat die SPD für sich genommen als total unzuverlässig bezeichnet", sagte der Kanzlerkandidat. "Total heißt ja total und das ist inakzeptabel."