Tatsächlich ist es nicht die Anzahl an Asylanträgen, die Italien überlastet. Dies bestätigt auch Christopher Hein vom italienischen Flüchtlingsrat. Italiens Problem sei die sogenannte Erstaufnahme. Aufgrund seiner Lage ist Italien nun mal sehr häufig das erste EU-Land, das die Flüchtlinge erreichen. Da sich diese Flüchtlingsbewegungen auf wenige Monate und auf eine Region konzentrieren, sind lokale Behörden oft überfordert.

Zudem ziehen viele Flüchtlinge illegal in andere Länder weiter, bevor sie von italienischen Behörden registriert werden können. Wenn dann deren Asylanträge beispielsweise in Deutschland mit Hinweis auf das Dublin-II-Abkommen abgelehnt werden, sind doch wieder die Erst-Aufnahmeländer wie Italien, Spanien oder Griechenland für sie zuständig. 

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Ein realistischeres Bild ergäbe deshalb ein Vergleich zwischen den Asylanträgen in Deutschland und illegalen Grenzübertritten nach Italien, heißt es bei Pro Asyl. Tatsächlich versuchten laut Frontex wieder mehr Flüchtlinge mit dem Boot von Afrika nach Italien zu gelangen als voriges Jahr: Bis September 2013 wurden etwa 31.000 illegale Grenzübertritte registriert. Allein in Lampedusa landeten etwa 12.000 Personen.

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Vergessen wird in der Debatte, dass die meisten Flüchtlinge es gar nicht in die EU schaffen, sagt Burkhardt von Pro Asyl. Tatsächlich halten sich weltweit rund 80 Prozent aller Flüchtlinge in Entwicklungsländern wie Pakistan, den Iran oder Kenia auf. Vor allem durch den Syrien-Konflikt kommen immer mehr Flüchtlinge in Länder wie Ägypten, Irak, Libanon oder Türkei. Auf das Einkommen umgerechnet sind es also die ärmsten Länder der Welt, die von der Flüchtlingsproblematik betroffen sind. 

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