Gemessen an dem Anspruch, mit dem die SPD in diese Sondierungsgespräche gegangen ist, kann sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein.

Vom Wahlabend bis zum vergangenen Montagabend hatte in der Berliner Parteizentrale offenbar die Ansicht vorgeherrscht, man könne in den Verhandlungen mit der Union gerade aus der Schwäche der SPD Kapital schlagen.

Die Angst der SPD-Mitglieder vor der Marginalisierung in einer erneuten Großen Koalition sollte als Argument dafür dienen, dass man ihnen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit konkreten Erfolgen schmackhaft machen müsse. Ansonsten, so die implizite Drohung, werde der am Sonntag tagende Parteikonvent sofort das Aus für eine Große Koalition beschließen.  

Die Luft abgelassen

Doch Merkel hat den Sozialdemokraten in bewährter Manier die Luft abgelassen. "Sondierungsgespräche sind keine Koalitionsverhandlungen", musste nach der dritten Runde der Gespräche auch SPD-Chef Sigmar Gabriel einräumen und wiederholte damit nur, was die CDU schon immer gesagt hatte. Eine Binsenweisheit eigentlich. Nur dass die SPD in den vergangenen Tagen offenbar geglaubt hatte, diese außer Kraft setzten zu können.

Konkrete Zusagen an die Sozialdemokraten gibt es vorerst keine. Stattdessen mussten sich Gabriel und seine Genossen mit sogenannten "Stimmungsaufhellern" begnügen – so nennt man in Parteikreisen etwa die öffentlichen Einlassungen von Horst Seehofer und Volker Bouffier zum Mindestlohn.

Jedes andere Ergebnis wäre aus Merkels Perspektive jedoch kaum hinnehmbar gewesen. Hätte Gabriel es geschafft, der CDU-Chefin schon vor der Aufnahme von Koalitionsgesprächen konkrete Zugeständnisse abzuringen, hätte es so ausgesehen, als diktiere der Wahlverlierer dem Wahlsieger die Bedingungen.

Ohnehin konnte Merkel in den Sondierungsgesprächen recht gelassen bleiben. Dass die SPD schon die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen verweigern würde, war unwahrscheinlich. Ebenso wie es unwahrscheinlich ist, dass der Parteikonvent Gabriel nun nicht die Chance geben wird, zu zeigen, dass er in den Koalitionsverhandlungen die konkreten Ergebnisse nachliefert.