Am Ende ging alles ganz schnell. Nach quälenden Stunden in der alpinen Idylle von Wildbad Kreuth, erklärte Edmund Stoiber im Januar 2007 seinen Rückzug. Der langjährig erfolgreiche Ministerpräsident, der bei der Landtagswahl 2003 für die CSU sogar die Zweidrittelmehrheit errungen hatte, war von der eigenen Partei gemeuchelt worden. Sinkende Umfragewerte, öffentliche Proteste etwa gegen das im Hauruckverfahren eingeführte achtjährige Gymnasium, sein Zögern und Zaudern, ins Kabinett von Angela Merkel einzutreten – dies alles hatte das Fass zum Überlaufen gebracht.

Was folgte, war die vom damaligen bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber gegen Horst Seehofer gewonnene Kampfabstimmung um den Parteivorsitz, das Interregnum des unglücklichen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, und schließlich ein in der erfolgsverwöhnten CSU kaum für möglich gehaltener Absturz bei der Landtagswahl im Jahre 2008 um satte 17 Prozentpunkte, der die bayerische "Staatspartei" in eine Koalition mit der FDP zwang.

Ausgerechnet Seehofer, den die gedemütigte Partei schließlich als Retter in größter Not eher widerwillig zum Ministerpräsidenten wählte, gelang der Wiederaufstieg. Nach der grandios gewonnenen Landtagswahl am 15. September, bei der die Christsozialen wieder die absolute Mehrheit errangen, ist die Macht des wendigen Ingolstädters unangefochten. Doch Seehofer weiß auch, wie schnell die Stimmung drehen kann – in der eigenen Partei wie im Wahlvolk. Ob die Restauration der christsozialen Übermacht von Dauer ist, wird sich erst zeigen.

Der Fraktionsvorsitzende ist ultraloyal

Am Dienstag wird Seehofer im Münchner Maximilianeum für weitere fünf Jahre zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt. Für seine zweite Amtszeit als Regierungschef des Freistaates, die wohl auch seine letzte sein wird, hat der 64-Jährige seine Macht sorgfältig abgesichert. Für eine Überraschung sorgte die Berufung des bisherigen Staatskanzleichefs Thomas Kreuzer als neuen Fraktionsvorsitzenden. Mit dem ultraloyalen Allgäuer dürften aus der CSU-Regierungsfraktion bis auf Weiteres keine Alleingänge zu erwarten sein.

Der 54-jährige Kreuzer, ein früherer Richter und Staatsanwalt, hatte die Staatskanzlei, den prächtigen Regierungspalast am Münchner Hofgarten, geräuschlos geführt. Bewährt hat er sich zuletzt vor allem bei der Bewältigung der Verwandtenaffäre – CSU-Abgeordnete wie Mandatsträger der Opposition hatten im großen Stil Verwandte auf Staatskosten für sich arbeiten lassen – als Saubermann und treuer Seehofer-Gefolgsmann. Die Zeiten, als Fraktionsvorsitzende wie Alois Glück, das soziale Herz der CSU, so etwas wie Nebenministerpräsidenten waren, dürften so schnell nicht wiederkehren.

Seine beiden möglichen Nachfolger als Ministerpräsident, Markus Söder und Ilse Aigner, hat Seehofer in die Kabinettsdisziplin eingebunden. Divide et impera – teile und herrsche: Seehofer ist zwar kein mit einschlägigen Lateinzitaten um sich werfender Altsprachler wie CSU-Übervater Franz Josef Strauß, dessen 25. Todestag jüngst gefeiert wurde. Trotzdem weiß der Ingolstädter, wie man potenzielle Rivalen neutralisiert, indem man sie in Konkurrenz zueinander setzt und dafür sorgt, dass sie sich aneinander und nicht am Chef abarbeiten.

Söder soll Finanzminister bleiben, ein wichtiges, aber wenig glamouröses Amt. Dafür erhält die bisherige Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner, der großes Interesse am Fraktionsvorsitz nachgesagt wurde, wohl ein Superministerium für Wirtschaft, Verkehr und Energie, womit sie auch für die Energiewende zuständig wäre. In diesem Powerjob kann sie mittelständische Unternehmer umgarnen, Umgehungsstraßen eröffnen und auch dem grünen Zeitgeist Tribut zollen, während Söder für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen und die Schuldenbremse managen muss. Die war am Tag der Landtagswahl per Volksentscheid mit überwältigender Mehrheit der Bayern in der Landesverfassung verankert worden.