30 Tage nach der Wahl kommt der Deutsche Bundestag in Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Im Reichstag sitzen dann 311 Vertreter aus den Reihen von CDU / CSU , 193 von der SPD , 64 von der Linken und 63 von den Grünen . Insgesamt 229 Abgeordnete sind neu im Parlament, die beiden jüngsten sind 26 Jahre alt. 

Eröffnet wird die Sitzung am Vormittag durch den ältesten Abgeordneten im Saal: Alterspräsident ist – wie bereits 2005 – der frühere Forschungsminister, der 77-Jährige Heinz Riesenhuber (CDU). Im Mittelpunkt der rund zweieinhalbstündigen Sitzung steht die Wahl des Bundestagspräsidenten. Als sicher gilt, dass der CDU-Politiker Norbert Lammert in dem Amt bestätigt wird. Der 64-Jährige steht seit 2005 an der Spitze des Parlaments.

Zugleich müssen die 631 Abgeordneten eine Geschäftsordnung beschließen und die Bundestags-Vizepräsidenten bestimmen . In der zurückliegenden Wahlperiode stellte jede der fünf Fraktionen einen Vize. Diesmal beanspruchen CDU/CSU und SPD jeweils einen weiteren Vizeposten für sich, was bereits für Verstimmung gesorgt hat .

"Eine lebendige, eine muntere Opposition"

Ein Thema vor der ersten Sitzung sind auch die Minderheitsrechte der Opposition. Sollte es tatsächlich zu einer Großen Koalition kommen, hätten Linke und Grüne nur noch 20 Prozent der Sitze im Bundestag. Wichtige Kontrollrechte wie etwa die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses sind im Grundgesetz aber erst mit einem Quorum von 25 Prozent festgelegt. Alterspräsident Riesenhuber hat dennoch keine Bedenken, dass die Opposition ihrer Kontrollfunktion gegenüber der Regierung nachkommen wird. "Mir ist da nicht bange. Wir werden eine durchaus lebendige, eine muntere Opposition erleben", sagte er der Passauer Neuen Presse .


Darauf wollen sich die Parteien aber nicht verlassen und dringen auf eine Änderung bestehender Gesetze . Denkbar sind etwa eine Reform des Untersuchungsausschussgesetzes und eine neue Aufteilung von Redezeiten. "Die parlamentarische Demokratie braucht nicht nur eine starke Regierung, sondern auch eine wirksame Opposition", sagte dazu der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann. "Die Opposition muss alle parlamentarischen Möglichkeiten haben, um die Regierung effektiv zu kontrollieren."

Auf dem Weg dahin stehen aber noch die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und Oppermanns Partei – eine neue Regierung steht also noch nicht. Und so bleiben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Minister ihrer bisherigen schwarz-gelben Koalition zunächst im Amt, auch wenn sie an diesem Nachmittag aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck ihre Entlassungsurkunden entgegennehmen.