Kein Risiko für die eigenen Soldaten, geringere Kosten, gleichzeitig aufklären und angreifen können: Die Befürworter von Kampfdrohnen führen zahlreiche Gründe an, warum eine moderne Armee unbedingt bewaffnete unbemannte Flugzeuge haben sollte. Auch Generalmajor Jörg Vollmer, deutscher Befehlshaber im Regionalkommando Nord in Afghanistan, der jüngst Kampfdrohnen für Afghanistan forderte und der Inspekteur der Luftwaffe, Karl Müllner, der den gleichen Wunsch schon fast penetrant öffentlich äußert, wollen mit Drohnen die Sicherheit der Bundeswehrsoldaten erhöhen und die Einsatzmöglichkeiten in Afghanistan ausweiten.

Das klingt zunächst vernünftig – und doch ist die Drohnenbeschaffung momentan für Deutschland keineswegs sinnvoll. Es fehlt an realistischen Einsatzmöglichkeiten für Drohnen vom Typ Predator XP vom amerikanischen Rüstungshersteller General Atomics oder für das Modell Heron TP aus Israel. Die Afghanistan-Mission für die Kampfeinheiten läuft im nächsten Jahr aus. Zur Zeit streitet die amerikanische Regierung mit ihren Partnern in Kabul über die künftige Stationierung von Unterstützungstruppen. Kabul fordert, dass Straftaten, die US-Soldaten in Afghanistan begehen, auch dort von der Justiz geahndet werden. Die Vereinigten Staaten verlangen, dass ihre Uniformierten Immunität erhalten. Washington droht mit dem Abzug sämtlicher Soldaten, sollten sich die beiden Staaten nicht einigen.

In diesem Fall würde auch Deutschland die Bundeswehr komplett vom Hindukusch nach Hause holen. Der deutsche Abzug läuft bereits auf Hochtouren. Ausgemustertes Kriegsgerät wird nach Deutschland zurückgeschickt, das Kontingent wird drastisch verkleinert. Die deutsche Armee unterhält jetzt nur noch Basen in der Hauptstadt Kabul und in Masar-i-Scharif im Norden. Dabei handelt es sich nicht um Hochrisikogebiete, ein Kampfdrohneneinsatz ist dort nicht dringend erforderlich. Missionen außerhalb der Camps werden deutlich weniger, deutsche Infanteristen stehen kaum noch in Feuergefechten mit Aufständischen. 

Die Drohnen-Forderung kommt Jahre zu spät

Selbst wenn eine rasche Beschaffung politisch gewollt wäre, gibt es zahlreiche Hürden. Die Beschaffung in Deutschland läuft meist über mehrere Jahre. Für die Bundeswehr gekaufte Rüstungsgüter werden zunächst gründlich erprobt. Selbst wenn die künftige Bundesregierung nach der Koalitionsbildung im Dezember oder Januar beschließen sollte, Kampfdrohnen zu ordern, müsste der Haushaltsausschuss des Bundestages dem Kauf zustimmen. Danach begännen die Verhandlungen mit den Herstellern in den Vereinigten Staaten oder in Israel. Bevor die erste Kampfdrohne die Truppe erreichen könnte, wäre der Afghanistan-Einsatz vorbei.

Die Forderung der Generäle nach bewaffneten Drohnen kommt schlicht Jahre zu spät – und selbst wenn der Kampfeinsatz noch lange in Afghanistan andauern würde, gibt es gute Gründe gegen den Kauf der unbemannten Flieger.

Die misslungene Einführung der Langstreckenaufklärungsdrohne Euro Hawk in diesem Jahr hat gezeigt, wie schwer es werden dürfte, unbemannte Flugzeuge in Deutschland starten zu lassen. Bislang sind die Zulassungsprobleme mit unbemannten Systemen für den deutschen Luftraum nicht geklärt. Der Euro Hawk durfte in Deutschland nur mit Sondergenehmigungen aufsteigen, konnte deswegen seinen Auftrag nicht erfüllen. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière zog sehr spät die Reißleine: Die Bundesrepublik stieg aus dem Projekt aus. Mehrere Hundert Millionen Euro wurden verschwendet.

Selbst wenn es gelänge, die unbemannten Flieger für den deutschen Luftraum fit zu machen, macht ihr Kauf keinen Sinn, denn die Bundeswehr weiß gar nicht, für welche Ziele die Drohnen nach dem Ende der Afghanistan-Mission eingesetzt werden sollen. Am Auslandseinsatz verbündeter Staaten in Libyen hatte sich Deutschland unter der konservativ-liberalen Koalition nicht beteiligt. Im Fall von Syrien haben die Regierenden in Berlin ebenfalls sofort abgewunken. Für Unterstützungsmissionen wie momentan in der Türkei, wo deutsche Soldaten und ein Raketenabwehrsystem vom Typ Patriot stationiert sind, braucht es keine Drohnen, ebenso wenig für die Einsätze vor Somalia und dem Libanon.