Die Zeit könnte reif sein für eine Neuordnung der Integrationspolitik. Europa spricht seit den Flüchtlingskatastrophen vor Lampedusa in der vergangenen Woche wieder über Asylpolitik.

Doch das Thema könnte auch genau so gut wieder im Sand verlaufen: Die Innenminister der EU weigern sich, das umstrittenen Dublin II-Verfahren zu überarbeiten, stattdessen soll das Mittelmeer künftig stärker überwacht werden. Die meisten deutschen Politiker halten sich zu diesem Thema am liebsten komplett zurück. Dabei wäre jetzt, nach dem Bundestagswahlkampf, kein schlechter Zeitpunkt, grundsätzlich über Aufnahme und Umgang mit Flüchtlingen und Migranten in Deutschland und Europa zu diskutieren. Und entsprechende Reformen folgen zu lassen. 

In den Sondierungsgesprächen war all das bislang aber kaum ein Thema. Derzeit dringen vor allem die (ebenfalls wichtigen) Worte Energiewende, Mindestlohn und Steuern aus den Sitzungssälen. Zumindest die Grünen haben angekündigt, das Thema Flüchtlinge auf die Agenda zu setzen. Andere Themen, die ebenfalls diskutiert werden müssten, sind die doppelte Staatsbürgerschaft und ein Integrationsministerium, schrieb DIE ZEIT vergangene Woche.

Das Thema bewegt auch unsere Community. Die Texte über die Lampedusa-Katastrophe sowie die Vorschläge für eine neue Asyl- und Flüchtlingspolitik werden stark kommentiert. Die Meinungen der Leser gehen allerdings weit auseinander: Die einen finden, dass Deutschland aus humanitären und geschichtlichen Gründen geradezu verpflichtet sei, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Andere schreiben, dass eine neue Afrikapolitik nötig sei: Die Förderung der afrikanischen Binnenmärkte, mehr Entwicklungshilfe und ein Stopp der Waffenexporte würden die Massenflucht verhindern.

Mit blauem Flüchtlingspass in der BRD

Einer unserer Wahlbeobachter, Amir Tehrani, kam selbst vor 26 Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Mit sechs Jahren ist der gebürtige Iraner allein in einem Münchner Flüchtlingsheim gestrandet. Seitdem lebt er mit blauem Flüchtlingspass in der Bundesrepublik. Da ihm der Iran, wie es im Fachjargon heißt, die Entlassung aus der Staatsbürgerschaft verweigert, kann der 32-Jährige nicht eingebürgert werden. Alle sechs Monate muss er deswegen seinen Ausweis bei der Ausländerbehörde verlängern lassen. 

Tehrani lebt als selbstständiger Unternehmensberater in Berlin und beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Das Thema Integration ist ihm sehr wichtig. Von einer neuen Regierung wünscht er sich endlich die doppelte Staatsbürgerschaft. "Das würde auf einen Schlag eine Vielzahl meiner Probleme lösen", sagt er.    

Am heutigen Dienstag, ab 15 Uhr, wird Tehrani in der Livedebatte von ZEIT ONLINE sein. Diskutieren Sie mit ihm über eine neue Integrationspolitik: Was wünschen Sie sich von der nächsten Bundesregierung? Wie sieht Ihre Vorstellung von einer gelungenen Integration aus? Und wie sollte sich Deutschland zur Asyl- und Flüchtlingspolitik verhalten?