Die SPD-Führung rechnet damit, dass sich der Parteikonvent der Sozialdemokraten am Sonntag für die Aufnahme schwarz-roter Koalitionsverhandlungen ausspricht. Nach der Grundsatzeinigung mit der Union wirbt jetzt auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ( SPD ) dafür, mit CDU und CSU über eine neue Regierung zu verhandeln.

"Es ist ein Politikwechsel möglich, für den die SPD seit Jahren gekämpft hat", sagte Kraft, die als eine der schärfsten Gegnerinnen einer großen Koalition gegolten hatte, der Rheinischen Post . "Wir können nachhaltige Verbesserungen für die Menschen in unserem Land erreichen." Dazu zähle ein Mindestlohn von 8,50 Euro, ohne den die SPD keinen Koalitionsvertrag unterschreiben werde.

In einer möglichen Großen Koalition strebt die SPD einem Medienbericht zufolge das Finanz- und das Arbeitsministerium an. Im Gegenzug wären die Sozialdemokraten bereit, auf den Chefposten im Auswärtigen Amt zu verzichten, berichtet die Welt unter Berufung auf Führungskreise der Partei. Als Anwärter auf den Posten des Finanzministers gelten der Zeitung zufolge Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann . Beim Arbeitsministerium wiederum gelte der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel als "gesetzt".

Das politisch einflussreiche Finanzministerium sei für eine erfolgreiche Regierungspolitik unabdingbar, hieß es laut Welt aus der SPD-Spitze. Nicht zuletzt das Management der Euro-Krise solle nicht allein Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Union überlassen werden. Das Arbeits- und Sozialministerium wiederum gelte als das sozialdemokratische Kernressort schlechthin. Das Auswärtige Amt wiederum habe nach Ansicht der SPD-Führung an Bedeutung verloren.

Faire und intensive Gespräche

Die Spitzen von Union und SPD hatten sich am Donnerstag bei ihrer dritten Sondierungsrunde in Berlin auf die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer Großen Koalition verständigt. Nun muss der SPD- Parteikonvent entscheiden. Wenn das Gremium zustimmt, sollen die Gespräche am Mittwoch formell beginnen.

Die Präsidien von CDU und CSU stellten sich schon am Donnerstagabend hinter die Entscheidung, der CDU-Bundesvorstand berät am heutigen Freitag um elf Uhr in einer Telefonschaltkonferenz. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die bisherigen Gespräche mit der SPD in der Telefonschaltkonferenz des CDU-Präsidiums als "fair und intensiv".

Konkrete Zusagen hatte es in der dritten Sondierungsrunde noch nicht gegeben, aber Zeichen der Annäherung. Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer signalisierten Bewegung beim Mindestlohn und bei der doppelten Staatsbürgerschaft. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel wiederum ließ Verständnis für das Nein der Union zu Steuererhöhungen erkennen.

Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) soll laut Bild das Grundkonzept für die Koalitionsverhandlungen erarbeiten. Nach diesen Informationen wurde vereinbart, dass Pofalla bis spätestens Sonntagvormittag ein Organigramm der Facharbeitsgruppen für die kommenden Gespräche erstellen und an Gabriel übermitteln soll. Darin soll geregelt werden, welche Arbeitsgruppen eingesetzt und mit wie vielen Mitgliedern sie besetzt werden sollen. Werde das Konzept von der SPD-Seite bestätigt, würden die Generalsekretäre von CDU, CSU und SPD am Montag mit der Einsetzung der Mitglieder beginnen.