Überraschend harmonisch. Das ist das Fazit der beiden Sondierungsrunden zwischen Union und Grünen. Zivilisiert beisammensitzen und ernsthaft über eine mögliche Partnerschaft reden, das funktioniert ja doch! Selbst inhaltlich schienen Angela Merkel, Horst Seehofer und die alte, neue Grünen-Spitze nicht so weit auseinanderzuliegen, wie sie immer glaubten.

Dennoch wagten es die Grünen es am Ende nicht, weitere Gespräche mit Angela Merkel zu vereinbaren. Die Skepsis überwog. Und wer weiß, ob die Union wirklich gewollt hätte. Schade ist es trotzdem, dass die Option Schwarz-Grün nun zerschlagen wurde.

Natürlich wäre eine solche Koalition ein Wagnis gewesen, ein Experiment. Aber vor allem jüngere, bürgerlich orientierte Wählergruppen hätten das spannend gefunden. Dieses gegensätzliche Bündnis, gewagt über die bisherigen politischen Lager gespannt, hätte die Avantgarde bilden können für das moderne politische Deutschland im Jahre 2013ff: wertkonservativ, heimatverbunden im modernen Sinne, ökologisch bewusst, engagiert für Wohlstand und eine nachhaltige Wirtschaft und Wissenschaft. 

Viele Grünen-Wähler mögen die unprätentiöse Krisen-Frau Merkel, wie schon im Frühsommer eine Umfrage ergab.   

Die Kanzlerin selbst wäre nicht abgeneigt gewesen, sich auch mal an einem ganz neuen Koalitionspartner zu versuchen. Merkels Ideologiefreiheit, egal wie kritisch diese manchmal zu bewerten ist, hätte einem solch unterschiedlichen Bündnis helfen können.

Natürlich, eine Regierung aus Union und Grünen hätte hart um Inhalte ringen müssen. Wie können Industrie-Interessen mit der Förderung erneuerbarer Energien verbunden werden? Wie schnell steigt Deutschland aus der Kohlekraft aus? Welche Vision von Familienpolitik besteht, wie geht es weiter in der Integrations- und Flüchtlingspolitik? Schwarz-Grün, auch das zeigten die Sondierungen, lag da zum Teil weit auseinander.

Wer härter um Inhalte ringen muss, kann allerdings auch fruchtbarere Ergebnisse erzielen, kann im besten Fall Antrieb und Innovation erzeugen. Schwarz-grüne Kompromisse wären wertvoll, gerade weil diese Streitthemen oft nicht nur die Parteien, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes spalten. Bedenken, Vorurteile, aber auch manch leichtfertige Annahme zur Akzeptanz beispielsweise des Adoptionsrechtes für Homosexuelle in der Bevölkerung sowie zur Flüchtlingspolitik hätten geklärt werden können.

Jetzt läuft also alles auf eine Große Koalition heraus, die vor allem Stabilität im Bundesrat verspricht. Doch die Sozialdemokraten sind immer noch traumatisiert vom ersten Bündnis mit Merkel, bis tief in die Kreisverbände hinein. Keine guten Voraussetzungen für gesellschaftliche Innovation, eher für ein gezwungenes Dahinwurschteln.

CDU und Grüne haben derweil eine neue Machtoption vertan. Inzwischen hat auch der linke Flügel der Grünen verstanden, dass die Partei sich künftig für andere Koalitionsoptionen öffnen muss. Dazu gehört übrigens auch die Linkspartei, die in diesem Jahr bei dem Sondierungsmarathon außen vor war und es auf diese Weise sehr einfach hatte, zu meckern, ohne selbst Kompromissbereitschaft zeigen zu müssen.