Union und SPD haben ihr zweites Sondierungsgespräch nach Stunden ohne konkrete Festlegungen beendet. Bei den zentralen Streitpunkten Mindestlohn und Steuererhöhungen gebe es weiter unterschiedliche Auffassungen, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am frühen Dienstagmorgen: "Wir haben abgeklopft, was uns wichtig war. Jetzt sollten wir alle eine Runde darüber schlafen."

Beide Seiten vereinbarten, sich womöglich am Donnerstag zu einem dritten und dann entscheidenden Sondierungsgespräch zu treffen. Allerdings hänge ein weiteres Treffen davon ab, wie das für Dienstag geplante zweite Gespräch der Union mit den Grünen verlaufen werde, sagten Nahles und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe übereinstimmend.

Die 21-köpfige Verhandlungsdelegation hatte zuvor acht Stunden lang in der Parlamentarischen Gesellschaft gegenüber dem Berliner Reichstag zusammengesessen. Immer wieder wurde die Sitzung für Beratungen in kleineren Runden unterbrochen.   

"Acht Stunden sind anstrengend"

Die Verhandlungsdelegation arbeitete eine Liste zentraler politischen Themen ab: Dazu gehörten nach Angaben von Nahles die Energiewende, Europapolitik, Finanzen, ein Mindestlohn, die Leiharbeit sowie das Thema Zuwanderung. In der SPD äußerte man sich enttäuscht, dass die Union der Partei an zentralen Punkten nicht so entgegen kam, wie man sich das erhofft hatte.

CDU-Generalsekretär Gröhe sagte, er werde keine Wasserstandsmeldungen zu Annäherungen oder Unterschieden liefern. Konkrete Vereinbarungen gehörten in Koalitionsverhandlungen.

CSU-Chef Horst Seehofer – eigentlich ein Fürsprecher der Großen Koalition – betonte, für die CSU sei die Partnerfrage weiterhin offen.  Auf die Frage hin, ob die Stimmung gut war, sagte Seehofer: "Acht Stunden sind anstrengend."  SPD-Generalsekretärin Nahles bestätigte, dass es während des Treffens auch mal laut geworden sei: "Es war zwischendurch kribbelig."

Am Dienstag (17 Uhr) trifft die Verhandlungsdelegation von Angela Merkel  auch die Grünen zum zweiten Mal zu Sondierungsgesprächen. Spitzenpolitiker von Union und Grünen hatten sich zuletzt skeptisch über die Chancen für ein schwarz-grünes Bündnis geäußert.

Angela Merkels Union will bis Ende der Woche entscheiden, wem sie Koalitionsverhandlungen anbietet. Am Wochenende halten sowohl die Grünen als auch die SPD Parteitage ab, die ein Votum über mögliche Regierungsbeteiligungen verlangen.