An der vermuteten Spionageattacke gegen Merkel ist möglicherweise die US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin beteiligt gewesen. Dieser Verdacht soll sich aus Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden ergeben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Auch die Zeitung Die Welt berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Berlin von dem Verdacht. Der Sprecher der US-Botschaft, Peter Claussen, sagte der Zeitung, er habe dazu "keine Informationen".

Laut SZ soll von einem US-Lauschposten namens Special Collection Service (SCS) abgehört worden sein. Die Spezialeinheit werde gemeinsam von den US-Geheimdiensten NSA und CIA betrieben. Sie arbeite weltweit in amerikanischen Botschaften und Konsulaten, zumeist heimlich. Nur in wenigen Fällen sei ihr Einsatz vom jeweiligen Gastland erlaubt worden. Eine solche Einwilligung deutscher Stellen gebe es nicht, schreibt die Zeitung.

Die SZ schreibt, die Handynummer der deutschen Regierungschefin stehe in einer einschlägigen Liste der NSA. Aus der Unterlage ergebe sich nicht, über welchen Zeitraum Merkel abgehört worden sein soll.

Edward Snowden, der sich zurzeit in Russland aufhält, soll diese NSA-Unterlagen, aus denen die Lauschangriffe gegen Regierungschefs hervorgehen, im vergangenen Jahr heimlich angezapft haben. Damals soll auf der Liste vermerkt gewesen sein, dass eine Abhöraktion gegen Merkel laufe. Als Operationsbasis soll in dem Papier verschlüsselt die US-Botschaft in Berlin aufgeführt worden sein. 

Der amtierende Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte am Donnerstag den US-Botschafter einbestellt und Aufklärung verlangt.