Es ist ein "Marathon" (Gröhe), und deshalb hart und lang und zäh, aber die wichtigen "Leitplanken" (nochmal Gröhe) sind vereinbart. Eine Bergbesteigung ist es auch, und da kann man ja noch "kurz vor dem Gipfel noch abstürzen" (Dobrindt). Immerhin sind die "Kanonen jetzt bei allen Themen alle geladen, es kommt jetzt darauf an, wann wir die Lunte zünden" (Dobrindt), beziehungsweise "auf wen sie gerichtet sind" (Nahles). Gleichzeitig gilt: "Das Eis wird glatt, auf dem wir uns jetzt bewegen" (Dobrindt), aber "wir haben ja Schlittschuhe an" (Nahles).

Seit Wochen versuchen sich die drei Generalsekretäre von CDU, SPD und SPD Hermann Gröhe, Andrea Nahles und Alexander Dobrindt in immer neuen Sprachbildern für die langen Koalitionsverhandlungen. Und deutet man das Niveau ihres Metaphern-Schlagabtauschs (siehe oben) als äußerlichstes Zeichen für den Stand der Verhandlungen, dann ist klar: Es wird Zeit, dass sie ein Ende finden.

Die große Runde der Verhandler hat sich nun schon unzählige Male getroffen, immer reihum in den drei Parteizentralen. Diesmal rangen die 75 Politiker im Konrad-Adenauer-Haus (CDU) miteinander, wobei ringen eigentlich zu viel gesagt ist, denn die Runde ist längst zu einer Art Abnicktruppe geworden. Sie lässt sich die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen vortragen, gibt die Streitpunkte zurück in die AGs oder reicht sie nach oben weiter in die kleinere Runde der Parteispitzen. 

Die "Lücke"

Kaum länger als eine Stunde dauerte das Treffen am Donnerstag, vorher aß man noch in Ruhe zu Mittag und auch nachher standen die Politiker in einem abgeschirmten Bereich des Foyers noch bei Kaffee und Kuchen zusammen. Man hat sich längst aneinander gewöhnt, die Verhandlungen sind viel routinierter als zu Beginn. Die große Runde ist, das erzählen auch Teilnehmer hinter vorgehaltener Hand, vor allem dazu da, den Parteien und Bundesländern das Gefühl zu geben, beteiligt zu werden.


Wirklich Neues haben die drei Generäle nach den Treffen selten zu verkünden, auch Donnerstag nicht. Es ging um Gesundheit, Integration und Finanzen, und fasst alles war schon vorher bekannt: Ab 2015 keine Neuverschuldung mehr, die Pflegeversicherung soll besser werden (Finanzierung noch umstritten), Asylverfahren dürfen nur noch maximal drei Monate dauern. Die SPD hofft weiter auf den Wegfall des Optionszwangs beim Doppelpass (dass sich in Deutschland Geborene mit ausländischen Eltern also nicht mehr zwischen zwei Nationalitäten entscheiden müssen). Die Unionsparteien wiederum wehren sich weiter kategorisch gegen Steuererhöhungen.   

Entscheidend ist aber etwas ganz anderes. Das, was CSU-Mann Dobrindt die "Lücke" nennt. Dort, wo es "ausgabenrelevant" werde, stünde bisher nur das Wort "Prioritäten". Dobrindt: "Und dann ist da eine Lücke. Die muss jetzt in den kommenden Tagen gefüllt werden." Da nicken auch Gröhe und Nahles heftig.