Die hessischen Grünen entscheiden am heutigen Samstag bei einem kleinen Parteitag in Frankfurt, ob sie das Angebot von CDU-Chef und Ministerpräsident Volker Bouffier annehmen wollen. Zwei Monate nach der Landtagswahl in Hessen hatte die CDU den Grünen am Freitagabend Koalitionsverhandlungen angeboten. Kommt ein Bündnis zustande, wäre es die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland.

Bei den Beratungen der Grünen in Frankfurt wird entscheidend sein, wie die Delegierten die Zugeständnisse der CDU in Sachen Fluglärm und Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen bewerten – ein Streitpunkt in den Sondierungsgesprächen.

Führende Unionspolitiker haben das Vorhaben der hessischen CDU begrüßt, eine Koalition mit den Grünen einzugehen. "Ich begrüße es ausdrücklich, dass sie diesen Weg ausloten wollen", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe der Rheinischen Post . "Wenn sich eine schwarz-grüne Regierung gerade in einem Bundesland wie Hessen bewährt, (…) würde mich das sehr freuen", sagte Nordrhein-Westfalens CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann der Zeitung. Dies vergrößere die Koalitionsoptionen für die CDU. 

Hofreiter: Eher Neuwahlen im Bund als Schwarz-Grün

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht derzeit keine Chance für ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene. Sollten die schwarz-roten Koalitionsbemühungen scheitern, gehe er davon aus, dass es zu Neuwahlen kommt, sagte Hofreiter der in Chemnitz erscheinenden Freien Presse. Natürlich werde sich seine Partei "keinem Gespräch mit Demokraten verschließen", falls die SPD-Basis in ihrem Mitgliederentscheid mehrheitlich gegen eine Koalition mit CDU und CSU stimme und die Union erneut auf die Grünen zukomme, sagte Hofreiter. Er sehe aber keinen Grund, warum seine Partei bereit sein solle, "den Notnagel für Frau Merkel zu geben".

"Wir glauben, dass das (Regierungsbündnis mit den Grünen) für unser Land eine gute und auch zukunftsfähige Chance bietet", sagte Bouffier nach einer Sitzung der Parteispitze. Bis Weihnachten solle klar sein, ob das Bündnis gelinge oder nicht.

Seit der Landtagswahl am 22. September hatte die CDU in Hessen sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD ausführliche Sondierungsgespräche geführt. Bei landespolitischen Fragen habe sich der CDU gezeigt, dass es mit den Grünen mehr inhaltliche Übereinstimmungen gebe. Für die Grünen besteht die Chance, erstmals seit 1999 in Hessen wieder mitzuregieren. Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, die SPD werde die Oppositionsrolle offensiv und selbstbewusst annehmen.