Das Treffen kam abseits der üblichen Wege zustande: Von dem Besuch des früheren Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg ( CSU ) bei Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) wussten nach Informationen der Welt selbst enge Mitarbeiter nichts. Der wegen Plagiaten in seiner Doktorarbeit im März 2011 zurückgetretene CSU-Politiker habe einen persönlichen Termin bei Merkel gehabt, hieß es.  

Ein Regierungssprecher bestätigte den Bericht, sagte aber nichts zum Anlass oder Inhalt des Zusammentreffens am Montag. Guttenberg hatte im Kabinett Merkel zunächst als Wirtschaftsminister gearbeitet, später verantwortete er das Verteidigungsressort. In seine Amtszeit fiel der Wegfall der Wehrpflicht und der Beginn der Bundeswehrreform. Guttenberg bewirkte, dass die Bundesregierung den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan als Kriegseinsatz bezeichnete.

Seine zeitweise beachtlichen Popularitätswerte litten, als bekannt wurde, dass er in seiner Dissertation plagiierte. Seine Universität erkannte ihm seinen Doktortitel ab.

Guttenberg legte damals auch seine Parteiämter nieder und verließ den Bundestag. Mit seiner Familie zog er in die USA . Von dort aus machte er mit außenpolitischen Beiträgen auf sich aufmerksam. Zuletzt äußerte er sich zum NSA-Überwachungsskandal, indem er forderte, die USA mögen sich bei Merkel für den Zugriff auf deren Handy entschuldigen. Er unterstellte Obama in einem Beitrag für das politische Debattenportal Project Syndicate Schlamperei und bezeichnete sein Handeln als politisches Versagen.  

2012 wurde Guttenberg zudem Berater der EU-Kommissarin Neelie Kroes . Er sollte sie dabei unterstützen, Internetaktivisten in autoritär regierten Ländern auf Dauer bei ihrer Arbeit zu helfen. Konkrete Projekte oder Ergebnisse wurden der breiteren Öffentlichkeit nicht bekannt.

In Berlin verhandeln die potenziellen Koalitionspartner Union und SPD demnächst die Besetzung der Ministerposten. Ob die Kanzlerin etwas damit bezweckte, dass sie Guttenberg ausgerechnet an ihrem Amtssitz empfing, blieb bislang unklar. Auch lässt sich derzeit nur über die Gründe spekulieren, warum ihr Treffen mit Guttenberg bekannt wurde und ob auch dahinter eine Absicht steckt.

Beobachter halten es für ausgeschlossen, dass der heute 41-jährige Guttenberg in der Großen Koalition Minister wird. Nach der allgemeinen Kritik an der Übernahme des Beraterpostens in Brüssel wäre ebenso wenig denkbar, dass er in Berlin eine ähnliche Funktion übernimmt.