Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat die Verhandlungen über ein rot-rot-grünes Bündnis im Land angeblich für gescheitert erklärt. Das habe er bei einer SPD-Vorstandssitzung zum Bundesparteitag in Leipzig deutlich gemacht, bestätigte ein Teilnehmer. In den kommenden Tagen solle dies nach Gremienberatungen in Hessen offiziell mitgeteilt werden.

Hessens SPD wollte das Aus der Sondierungen aber nicht bestätigen. "Es ist noch nicht der Zeitpunkt, um irgendetwas als gescheitert zu erklären", sagte SPD-Generalsekretär Michael Roth. "Dass das schwierig war bezogen auf Rot-Rot-Grün , haben wir ja deutlich gemacht." Schäfer-Gümbel habe nur eine Lageeinschätzung gegeben, sagte Roth. Aus SPD-Kreisen in Leipzig hieß es hingegen, dass das Bündnis wohl keine Chance habe.

Damit bleiben nach der Landtagswahl in Hessen am 22. September zwei Möglichkeiten für die Regierungsbildung übrig: eine Große Koalition oder ein schwarz-grünes Bündnis. In beiden Fällen bliebe Amtsinhaber Volker Bouffier ( CDU ) Ministerpräsident. Eine Entscheidung über die künftige Koalition wird erst für Ende November erwartet.

Der SPD-Landesparteirat trifft sich laut Roth am Montag, um über die Koalitionsmöglichkeiten zu beraten. Für Montag ist auch die vierte Gesprächsrunde zwischen CDU und SPD in Hessen geplant. In einem solchen Bündnis wäre die SPD Juniorpartner. Schäfer-Gümbel könnte nur bei Rot-Rot-Grün oder einer Ampel-Koalition Ministerpräsident werden. Die hessische FDP hatte ein Bündnis mit SPD und Grünen aber ausgeschlossen.

Vergangene Woche war das vierte Sondierungstreffen von SPD und Grünen mit der Linkspartei ohne konkrete Annäherung in der Finanzpolitik zu Ende gegangen. Schäfer-Gümbel hatte in der Frage von Einsparungen im Landeshaushalt von einem erheblichen Dissens zwischen Rot-Grün und der Linken gesprochen.

Die Vorsitzende der hessischen Linksfraktion , Janine Wissler, zeigte sich "immer noch hoffnungsvoll" für eine Beteiligung ihrer Partei an der künftigen Landesregierung. Nach einem Telefonat mit Schäfer-Gümbel sagte sie dem Tagesspiegel , bisher sei zur künftigen Koalition keine Entscheidung gefallen. Die SPD müsse sich überlegen, welche Differenzen eher zu überbrücken seien – die mit der CDU oder die mit der Linken. Es gebe eine "ganze Menge Gemeinsamkeiten" zwischen SPD, Grünen und Linken. "Nun muss man überlegen, wie man mit den Differenzen umgeht."