Der Spitzenkandidat der Grünen bei der Bundestagswahl, Jürgen Trittin, hat Joschka Fischers Kritik am Wahlkampf seiner Partei scharf zurückgewiesen. "Ich gebe mehr auf die 3,7 Millionen Menschen, die uns gewählt haben, als auf diese eine Stimme von Herrn Fischer", sagte Trittin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Fischer hatte der Grünen-Führung nach der Wahl vorgeworfen, sie sei immer noch nicht erwachsen geworden. Es sei ein fataler Fehler gewesen, die Grünen strategisch auf einen Linkskurs zu verringern, sagte der langjährige Fraktionschef.

Trittin erwiderte: "Man muss sich allerlei naseweises Zeug anhören, wenn man eine Wahl verliert. Den halten wir jetzt auch noch aus." Fischer habe sich jahrelang nicht konstruktiv zu den Grünen geäußert. "Ich meine, um sein Schweigen zu brechen, hätte er einen klügeren Gedanken wählen sollen." Wenn Fischer etwas über die Grünen sage, müsse man das "nicht unbedingt als Expertenmeinung betrachten".

Fischer, der 1998 erster grüner Außenminister und Vizekanzler wurde, hatte sich 2005 aus der Politik zurückgezogen. Seither distanziert er sich immer wieder von den Grünen. Anlässlich seines Abschieds aus der Politik sagte er damals: "Ich war einer der letzten Live-Rock-'n'-Roller der deutschen Politik. Jetzt kommt in allen Parteien die Playback-Generation." Bei der Europawahl 2014 wird Fischers Firma Fischer & Company allerdings den Wahlkampf der Europäischen Grünen Partei organisieren.