Die Linken wollen nach dem Öffnungsbeschluss auf dem Leipziger SPD-Parteitag auf höchster Ebene mit den Sozialdemokraten ins Gespräch kommen. "Bisher war Funkstille, aber jetzt sollten wir schnell das Gespräch auf allerhöchster Ebene suchen", sagte die Kovorsitzende der Linken, Katja Kipping, der Süddeutschen Zeitung . "Es ist gut, dass unsere Gesprächsangebote nicht mehr als Stalking missverstanden werden."

Die Themen ergäben sich aus den Programmen, so Kipping. "Neuberechnung des sozialen Existenzminimums, Gerechtigkeitswende bei Löhnen, Renten und Steuern, Gewaltverzicht in der Außenpolitik, Stopp der Waffenexporte, da sollten wir so früh wie möglich ausloten, was geht und was nicht", sagte sie dem Blatt.

Die Delegierten des SPD-Parteitages hatten am Donnerstag einen Leitantrag beschlossen , der von 2017 an erstmals ein rot-rot-grünes Bündnis auf Bundesebene als Option vorsieht. "Für die Zukunft schließen wir keine Koalition (mit Ausnahme von rechtspopulistischen oder -extremen Parteien) grundsätzlich aus", heißt es in dem Beschluss.

SPD-Vorbehalte gegen Große Koalition

In der SPD wächst derweil die Furcht vor einem Nein der Mitglieder zu einer Großen Koalition . Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte der Bild-Zeitung : "An der SPD-Basis gibt es starke emotionale Widerstände gegen eine Große Koalition. Alles hängt jetzt vom Verhandlungsergebnis ab." Der Vorsitzende des SPD-Arbeitnehmerflügels, Klaus Barthel, sagte: "Wenn wir jetzt abstimmen würden, wäre das Ergebnis ein klares Nein." Barthel forderte die SPD-Spitze auf, in den Verhandlungen mit der Union hart zu bleiben.

Die stellvertretenden SPD-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sieht das ähnlich: "Wir müssen jetzt mit der Union hart verhandeln, damit bei den Inhalten etwas herauskommt", sagte sie dem Kölner Stadt-Anzeiger . "Wir alle in der amtierenden Führungsspitze haben das Unbehagen des Parteitags im Blick auf die Große Koalition zu spüren bekommen. Ich war skeptisch und ich bin skeptisch." Es müsse einen Politikwechsel geben, sagte sie. Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles kündigte in der Rheinischen Post an, man werde bei den Verhandlungen  "noch eine Schippe drauf legen müssen".