Entgegen ihrem Wahlversprechen will die Union einem Medienbericht zufolge die geplante Kindergelderhöhung streichen. Auch die steuerlichen Freibeträge für Kinder will sie nicht erhöhen, berichtete die Rheinische Post . Zudem solle die von der SPD geforderte Erhöhung des Kinderzuschlags ausbleiben. Die Maßgabe der Unionsspitze sei, dass es keine zusätzlichen direkten finanziellen Leistungen für Familien geben solle. 

Kanzlerin Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer hatten sich am Donnerstag mit ihren Verhandlungsführern zum Gespräch getroffen, um sie auf Ausgabendisziplin einzuschwören und die Strategie für die kommenden Wochen festzulegen.

Bisher hatten die Verhandlungspartner stets betont, dass erst gegen Ende der Koalitionsgespräche belastbare Ergebnisse zu erzielen seien. Etwa die Hauptforderung der SPD, der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn, soll erst in der Schlussphase der Verhandlungen besprochen werden. Auch die teuren Änderungen der Rentenpolitik und andere Finanzierungsfragen sind auf diese Phase vertagt.

Unionswirtschaftsvertreter und Verbände warnen bereits vor zu teuren Kompromissen. Dem CDU-Wirtschaftsflügel tritt die Union zudem zu schwach in den Verhandlungen auf. "Wir sehen, dass derzeit vor allem die SPD Einfluss zu nehmen scheint auf das, was passiert", sagte der Chef des CDU-Wirtschaftsflügels, Carsten Linnemann. In den Koalitionsarbeitsgruppen hätten sich die Fachpolitiker zu schnell "auf kostenintensive Maßnahmen" verständigt. 

Die Union müsse den Forderungen der SPD nach Steuererhöhungen "hartnäckig widerstehen". Außerdem sollte eine neue Regierung noch "in dieser Legislaturperiode tatsächlich mit einem echten Schuldenabbau beginnen". Zum Dritten müsse die kalte Progression gemildert werden – diese sei "schließlich eine heimliche Steuererhöhung des Staates". Linnemann warnte zudem vor einer Senkung des Rentenalters auf 63 Jahre . Damit würde die vor zehn Jahren erzielte Reform ins Gegenteil verkehrt.

Keine kosmetischen Korrekturen

Auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) verlangte von den Verhandlungspartnern, mehr auf Kostendisziplin zu achten. "Die Koalitionsverhandlungen laufen bislang in die völlig falsche Richtung", sagte Präsident Ulrich Grillo. "Es muss Schluss sein mit dem Wünsch-Dir-Was-Konzert und immer neuen Ausgabenplänen." Deutschland sei kein Schlaraffenland. Andernfalls drohten am Ende Steuer- und Abgabenerhöhungen.

Aber auch die Gegenseite macht sich stark: Der Deutsche Gewerkschaftsbund  verlangte "sofortige und spürbare Verbesserungen" bei der Erwerbsminderungsrente. Für Menschen, die nicht mehr voll erwerbsfähig sind, bestehe "nachweislich ein hohes Armutsrisiko", heißt es in einem Schreiben von DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Das sei "mit kosmetischen Korrekturen nicht lösbar". Niemand begebe sich freiwillig in eine solche Lage. Daher seien die "systemwidrigen Renten-Abschläge" abzuschaffen.