Ein Beschluss zum Streitthema Mindestlohn soll nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD erst ganz am Ende fallen. Der Mindestlohn werde ein Thema sein, das zuallerletzt entschieden werde, sagte Merkel nach Angaben von Teilnehmern in der Unionsfraktionssitzung. CDU und CSU hätten in den Verhandlungen mit der SPD ihre Forderungen nach einem Verzicht auf Steuererhöhungen und neue Schulden verteidigt.

"Wir stehen für solide Finanzen", das sei der "Markenkern" der Union, sagte Merkel. Spielraum für zusätzliche Ausgaben gebe es daher nur bei einer verbesserten wirtschaftlichen Situation.

In der Sitzung übten vor allem Vertreter des Wirtschaftsflügels erneut Kritik an einigen bisherigen Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen. So warnte Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) vor steigenden Sozialbeiträgen. Er lobte den Verzicht auf Steuererhöhungen, fügte aber nach Teilnehmerangaben hinzu, auch bei den Sozialabgaben müsse auf Disziplin geachtet werden. Diese dürften nicht über 40 Prozent steigen. Fuchs hatte vor der Sitzung betont, dass sich auch die CDU in den Beschlüssen wiederfinden müsse, "sonst können wir keinen vernünftigen Koalitionsvertrag abschließen".

Der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach wandte sich in der Sitzung gegen eine zu starke Belastung des Arbeitsmarkts beispielsweise durch die Beschlüsse zur gleichen Bezahlung von Männern und Frauen oder zur Teilzeitarbeit. Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte die Abgeordneten zu Ruhe und Gelassenheit mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen auf. Noch sei nichts endgültig verhandelt. Am Schluss entscheide die Summe der Vereinbarungen zwischen Union und SPD, sagte er.