Im Korruptionsprozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und den Filmproduzenten David Groenewold haben die ersten Zeugen ausgesagt. Der Empfangschef des Bayerischen Hofs berichtete, es habe beim Aufenthalt des Ehepaars Wulff während des Oktoberfestbesuchs 2008 ein kostenloses Zimmer-Upgrade gegeben. "Natürlich auch, weil es Herr Wulff war, das ist ja klar", sagte der 48-Jährige. 

Detailliert versuchte das Gericht zu klären, wer das Hotelzimmer der Wulffs wann zu welchem Preis buchte und was später tatsächlich abgerechnet wurde. Dies blieb jedoch auch nach den Aussagen der Hotelmitarbeiter unklar.

Groenewold hatte laut Staatsanwaltschaft im Jahr 2008 rund 700 Euro Kosten für Hotel, Kinderbetreuung und einen Oktoberfestbesuch des Ehepaares Wulff übernommen. Im Gegenzug soll sich Wulff beim Siemens-Konzern für die finanzielle Unterstützung eines Groenewold-Filmprojekts eingesetzt haben. Wulff muss sich wegen Vorteilsnahme, Groenewold wegen Vorteilsgewährung verantworten.

Ein weiterer Zeuge, der Assistent der Geschäftsführung des Hotels, berichtete über den Aufenthalt der Wulffs während des Oktoberfests 2008. Der 38-Jährige sagte, er selbst habe keinen direkten Kontakt zu dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten gehabt.  

Am zweiten Verhandlungstag sollen insgesamt vier Zeugen vernommen werden. Es soll geklärt werden, wer die Rechnung des Ehepaars Wulff im Bayerischen Hof bezahlt hat. Am ersten Prozesstag hatte dieser seine Unschuld beteuert.

Nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Hannover war Wulff am 17. Februar 2012 als Staatsoberhaupt zurückgetreten.