Vor dem Landgericht Hannover beginnt der Strafprozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und den Filmproduzenten David Groenewold . 22 Prozesstage hat die 2. Große Strafkammer des Landgerichts für das Verfahren bis Anfang April kommenden Jahres angesetzt. 46 Zeugen sind geladen. Geklärt werden soll, ob Wulff sich 2008 mit einem Oktoberfestbesuch der Vorteilsannahme in seinem Amt als niedersächsischer Ministerpräsident schuldig gemacht hat. Groenewold ist wegen Vorteilsgewährung angeklagt. Es geht um die Frage, ob er Wulff Gefälligkeiten zuteil werden ließ, um sich dadurch nützliche Amtshandlungen zu sichern. 

Der Filmmanager hatte laut Anklage in München 510 Euro Hotel- und Babysitterkosten für das Ehepaar Wulff übernommen und außerdem 209,40 Euro für ein Abendessen und den Festzeltbesuch gezahlt. Einen Tag nach dem Wiesnbesuch soll der Filmproduzent Wulff schriftlich gebeten haben, bei dem damaligen Siemens-Vorstandschef Peter Löscher für eines seiner Filmprojekte zu werben. Wulff soll dieser Bitte gut zweieinhalb Monate später entsprochen haben.

Einen Tag nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Hannover war Wulff am 17. Februar 2012 als Staatsoberhaupt zurückgetreten. Das Angebot der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen, hatte Wulff abgelehnt. Er will seinen Ruf durch einen Freispruch wiederherstellen lassen. Es ist das erste Mal, dass ein ehemaliger Bundespräsident vor Gericht steht.

Mit dem Wiesnbesuch ist nur ein einziger strafrechtlich relevanter Punkt auf der langen Liste der Vorwürfe gegen Wulff übrig geblieben. Zum Verhängnis geworden waren ihm am Ende ein ganzes Bündel von Vorwürfen und Ungereimtheiten – angefangen vom privaten Hauskredit einer Unternehmergattin bis hin zu Gratisurlauben bei Unternehmerfreunden und der versuchten Einflussnahme auf die Medienberichterstattung durch einen Anruf bei Bild -Chefredakteur Kai Diekmann .