Um 11:35 am Samstagmorgen ist Horst Seehofer wirklich ganz oben angekommen. Nach dem Erfolg bei den Landtags- und Bundestagswahlen hat die CSU ihren Chef bei ihrem Parteitag in München mit 95,3 Prozent wiedergewählt. Das sind 5,4 Prozent mehr als bei seiner letzten Wahl und für Seehofer das beste Ergebnis, das er je erhalten hat. Auch wenn  er damit noch nicht an Edmund Stoiber heranreicht, der einst 97 Prozent erhielt.


Der Beifall, mit dem die Delegierten ihren Horst dann feiern, fällt dennoch nicht gerade tosend aus. Das mag daran liegen, dass ihnen noch die Hände weh tun vom minutenlangen Klatschen nach Seehofers kurz zuvor gehaltener Rede. Oder daran, dass ein sehr gutes Ergebnis eingepreist war, nicht nur wegen der Wahlsiege. Hatte doch die CSU-Führung die Delegierten aufgefordert, Seehofer für die Koalitionsverhandlungen in Berlin zu stärken. Dass das Ergebnis dann so deutlich ausfiel, überrascht aber doch. Gerechnet hatten die Parteistrategen im Vorfeld lieber nur mit "um die 90 Prozent". 


Seehofer selbst jedenfalls dürfte den Erfolg nur als recht und billig empfinden. In seiner Rede am Vormittag hatte er noch mal seine Verdienste für die Partei aufgezählt. 

Ausgiebig erinnert er daran, wie das war, damals, im Oktober 2008, als er die Führung der Partei übernahm. "Der Mythos CSU ist tot, die Identität von Bayern und der CSU zerstört, hieß es damals." Und heute? 101 von 180 Abgeordneten im bayerischen Landtag stellt die CSU seit der Landtagswahl im September wieder. 56 Abgeordnete umfasst die CSU-Gruppe im Bundestag und sie sei außerdem "jünger und weiblicher als je zuvor", wie Seehofer betont.

"Angelegenheiten im bayerischen Landtag"

Dabei seien die Umstände nun wirklich keine glücklichen gewesen. Weltwirtschaftskrise, Finanzkrise, der Rücktritt des CSU-Pop-Stars Karl-Theodor zu Guttenberg und "diverse Angelegenheiten im Bereich des bayerischen Landtags", zuletzt zum Beispiel die Amigo-Affäre. Mitten im Wahlkampf war herausgekommen, dass zahlreiche CSU-Abgeordnete Familienangehörige auf Staatskosten beschäftigt hatten.

Doch am Ende hat all das der Partei eben nicht geschadet. "2008 ist Geschichte", behauptet Seehofer. Geschafft hat er das, indem er der Partei ein moderneres Image verpasste. Er brachte mehr Frauen in die vorderen Reihen, gemeinsam mit seinem Generalsekretär Alexander Dobrindt führte er neue Veranstaltungsformen ein. Neben dem Bierzeltauftritt gibt es jetzt auch "Lounge in the City". 

Sein wichtigster Ansatz aber bestand darin, sich von all jenen Projekten zu verabschieden, die in der Bevölkerung nicht ankamen. "Es gab im Wahlkampf kein einziges Negativ-Thema, nur Positivthemen", sagt Seehofer.

Kritikwürdig findet er das nicht. Regieren sei für ihn "Dienst an der Bevölkerung". Ähnlich hätte dies auch ein Edmund Stoiber sagen können. Doch während Stoiber im Überschwang seiner Machtfülle 2005 der Bevölkerung ein hartes Reform- und Sparprogramm aufzwang, und so seinen eigenen Sturz vorbereitete, will Seehofer es den Leuten einfach nur recht machen. Und bisher hat er damit Erfolg. "Ich hätte uns viel Spaß gewünscht am 15. September mit einer Volksabstimmung für den Donau-Ausbau und Studiengebühren", erinnert Seehofer seine Parteifreunde an zwei wichtige Streitthemen, die er entsorgt hat, bevor die Bürger gefragt wurden.

Seehofer fragt die Bürger, nicht die Partei

Bereits in der Wahlnacht hatte Seehofer angekündigt, dass er diesen Kurs fortsetzen möchte. "Koalition mit dem Bürger", nennt er das. Das Instrumentarium der Volksbefragung will er ausbauen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang freilich, dass Seehofer zwar die Bevölkerung, nicht aber seine eigene Partei nach ihrer Meinung befragt. Vom in der Satzung stehenden Mitgliederentscheid hat er noch nie Gebrauch gemacht. Sein Führungsstil gilt als absolutistisch. Doch so lange er "liefert", scheint das die Partei nicht zu stören.