Auf dem Messegelände Leipzig treffen die Delegierten zum Bundesparteitag der SPD ein. Wer die Sicherheitskontrolle und den Ausstellungsparcours der Sponsoren und Förderer hinter sich hat, erreicht die Veranstaltungshalle, die 600 Delegierten, weiterhin zahlreichen Gästen, Medien und Bloggern Platz bietet.

Dort hat Generalsekretärin Andrea Nahles die Parteimitglieder schon auf die anstehende Mitgliederbefragung eingestimmt: Die SPD will Mitte Dezember die Basis direkt über den Koalitionsvertrag abstimmen lassen. "Ihr entscheidet", sagte sie in einer engagiert vorgetragenen Begrüßungsrede. Sie räumte im Hinblick auf das Bundestagswahlergebnis von 25,7 Prozent Fehler ein. Die SPD sei unter ihrem Wert geschlagen worden. "Das passiert uns nie wieder", rief sie den Delegierten zu. Die Partei dürfe "jetzt nicht einfach zur Tagespolitik übergehen, trotz Koalitionsverhandlungen". Es gelte, die Fehler zu analysieren und zu klären, was zum Akzeptanzverlust beim Wähler geführt habe.

Im Anschluss wird der gescheiterte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprechen. Den frenetischen Applaus zu seiner Begrüßung nahm er mit weitgehend unbewegter Miene hin. 

Mit Spannung erwarten Parteimitglieder und -beobachter die Rede von Parteichef Sigmar Gabriel, der in einer Großen Koalition Vizekanzler werden dürfte. Er wird auch eine Zwischenbilanz der Koalitionsverhandlungen mit der Union ziehen. Aber sein Auftritt ist zugleich die Bewerbungsrede für seine Wiederwahl als Bundesvorsitzender. Das Ergebnis der Abstimmung wird auch mit davon abhängen, wie gut er die Parteibasis von der angestrebten Große Koalition überzeugt. Besonders beim linken Flügel der Partei ist das Regierungsbündnis mit CDU und CSU umstritten, nicht wenige Kreisverbände machen seit der Bundestagswahl offen Front dagegen.

Der Parteitag ist schon lange geplant. Dass er inmitten der Koalitionsverhandlungen mit den Unionsparteien liegt, muss die SPD als notwendiges Übel hinnehmen. Parallel will die Parteispitze die Öffnung der SPD hin zu einem Linksbündnis manifestieren. Um die kritische Stimmung der Basis aufzunehmen, hat die Parteiführung einen Leitantrag vorgelegt, der die Partei für eine Koalition auch mit der Linken auf Bundesebene öffnen will.

Nach einer Großen Koalition gelte es zu sehen, mit wem die SPD als "linke Reformpartei" ihre Ziele am besten umsetzen könne, heißt es in dem Papier. Das Signal an die Partei: Bis 2017 ist die Große Koalition unvermeidlich, danach will die Partei alle Machtoptionen nutzen. Gabriel könnte dann, unterstützt durch Linke und Grüne, CDU-Chefin Angela Merkel als Kanzlerin ablösen.

Das Delegiertentreffen dient der Wahl der regulären Parteispitze und weiterer Gremien. Am heutigen Donnerstag wird nur über Gabriel abgestimmt – am frühen Nachmittag. Die Wahl des Parteivizes, des weiteren Vorstands und mehrerer Beauftragter steht für Freitag auf der Tagesordnung. Dann soll auch Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprechen. Unter den Gastrednern ist auch Enrico Letta, Ministerpräsident Italiens. 

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