Mit einem Dämpfer ist Generalsekretärin Andrea Nahles im Amt der SPD-Generalsekretärin bestätigt worden. Die 43-Jährige erhielt auf dem Bundesparteitag in Leipzig eine Zustimmung von 67,2 Prozent. Bei ihrer ersten Wahl 2009 hatte sie 69,9 Prozent bekommen, 2011 waren es 73,2 Prozent.

Der SPD-Bundesparteitag wählte auch die stellvertretenden Vorsitzenden neu. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verlor deutlich an Zustimmung und erhielt 85,6 Prozent der Stimmen, 11,6 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren. Das beste Ergebnis fuhr dagegen der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel ein.

Der 44-Jährige erhielt von den Delegierten eine Zustimmung von 88,9 Prozent. Auf ihn entfielen 527 der 593 gültigen Stimmen. Als einer von fünf Stellvertretern Sigmar Gabriels ersetzt er Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der nicht mehr kandidiert hatte.

67,3 Prozent für Scholz

Das schlechteste Ergebnis erhielt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der vehement für Schwarz-Rot eintritt. Er bekam lediglich 67,3 Prozent der Stimmen, 2011 waren es noch 84,9 Prozent. Die Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig, bekam 80,1 Prozent. Sie hatte vor zwei Jahren 82,9 Prozent erzielt.

SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks kritisierte die Delegierten für die mangelnde Unterstützung für Generalsekretärin Nahles. "So hättet ihr mit Andrea nicht umgehen sollen", sagte sie. Bereits am Donnerstag war Parteichef Gabriel mit seinem bisher schlechtesten Wert von 83,6 Prozent im Amt bestätigt worden. 

Nahles erhielt 405 von 603 gültigen Stimmen. Sie hatte den teils unglücklich verlaufenen Wahlkampf organisiert. Neben der Vorbereitung des Mitgliedervotums über den Eintritt in die Große Koalition steuert die SPD-Generalsekretärin gerade auch die Koalitionsverhandlungen mit der Union und leitet dabei zudem die AG Arbeit und Soziales.

Nahles wird als mögliche Ministerin gehandelt. Ihr Nachfolger im Amt des Generalsekretärs könnte der schleswig-holsteinische SPD-Chef Ralf Stegner werden.

Martin Schulz holt 97,9 Prozent

Die SPD hatte bei der Bundestagswahl mit 25,7 Prozent ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis der Nachkriegszeit erzielt. Seit drei Wochen verhandelt sie mit der Union über die Bildung einer großen Koalition. In den strittigen Punkten sind sich beide Seiten aber noch nicht einig geworden. Am Ende sollen die 473.000 SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen. 

Ein überzeugendes Ergebnis erzielte der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz. Er bleibt Beauftragter des SPD-Vorstands für die Europäische Union und erhielt 97,9 Prozent (2011: 87,9) der gültigen Stimmen. Schulz wurde von den Delegierten für eine leidenschaftliche Rede für ein sozialeres Europa stürmisch gefeiert. Er ist auch der gemeinsame Kandidat der europäischen Sozialisten und Sozialdemokraten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. 

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte an die Delegierten appelliert, nicht vor eine Großen Koalition mit der Union zurückzuschrecken. "Wir dürfen nie Angst vor der Verantwortung und nie Angst vor dem eigenen Versagen haben", sagte er. Dennoch dürfe es keine Koalition um jeden Preis geben werde. "Jeder weiß: Wir sind da längst nicht durch." Die Mitglieder rief Steinmeier auf, ihre Entscheidung über eine Koalition nur nach den Inhalten zu treffen. Die "Verärgerung und Verbitterung über ein Wahlergebnis" dürfe kein Maßstab sein.