Sigmar Gabriel bleibt Vorsitzender der SPD . Die Delegierten des Bundesparteitags in Leipzig bestätigten den 54-Jährigen mit großer Mehrheit für zwei weitere Jahre im Amt. Insgesamt stimmten 478 der Delegierten für Gabriel, 76 dagegen. Dies entspricht einer Zustimmung von 83,6 Prozent.

Damit fällt das Votum deutlich schwächer aus als bei der letzten Abstimmung im Jahr 2011. Damals stimmten noch 91,6 Prozent der Abgeordneten für ihn. Gabriel dankte den Delegierten für ein "in dieser Situation außerordentlich ehrliches Wahlergebnis".


Zuvor hatte Gabriel in einer Rede die Verantwortung für das enttäuschende Wahlergebnis von 25,7 Prozent bei der Bundestagswahl übernommen. "Ich gehöre nicht zu denen, die sich für gewonnene Landtagswahlen mit feiern lassen, bei verlorenen Wahlen aber nichts damit zu tun haben wollen", sagte Gabriel. "Es gibt nichts zu beschönigen." Der Parteitag müsse nun entscheiden, ob er Vorsitzender bleiben solle. 

Zugleich appellierte er an seine Partei , die Chance einer Regierungsverantwortung gemeinsam mit der Union nicht leichtfertig zu vergeben. Die SPD werde sich "nicht aus Angst vor den Mühen der Arbeit in einer ungeliebten Koalition" drücken, sagte er. Allerdings warb er um Kompromissbereitschaft mit Blick auf das bevorstehende SPD-Mitgliedervotum über einen Koalitionsvertrag. "Wer 100 Prozent des SPD-Wahlprogramms von uns erwartet, erwartet zu viel", sagte der Parteichef. 

Innerparteilichen Bedenken gegen eine Große Koalition trat Gabriel entgegen. "Wir werden kein zweites Mal eine Politik betreiben, bei der die SPD wieder gegen ihr Selbstverständnis verstößt", versprach er den Delegierten mit Blick auf das Regierungsbündnis mit der Union zwischen 2005 und 2009. "Mit uns wird es keine politische Liebesheirat und keine Zwangspartnerschaft geben." Vielmehr strebe man mit CDU und CSU eine "befristete Koalition der nüchternen Vernunft" an.