Das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit hat spürbar nachgelassen. Vor einer Woche, beim Auftakt des groß angekündigten Prozesses gegen Christian Wulff und seinen Filmfreund David Groenewold, waren die Presseplätze und Zuschauerreihen im großen Saal des Landgerichts Hannover noch dicht gefüllt. An diesem Donnerstag bleiben viele Stühle leer.

Denn nach der Prozesseröffnung, die der frühere Bundespräsident für eine teils larmoyante, teils aggressive Philippika gegen die Ermittler und die Medien genutzt hatte, werden nun die ersten der mehr als 40 bislang benannten Zeugen gehört. Es beginnt also die mühsame Beweiserhebung. Sie soll irgendwann im kommenden Frühjahr nach mindestens 22 Prozesstagen ergeben, ob sich Wulff durch eine Oktoberfest-Einladung von Groenewold im Jahr 2008 einen unzulässigen Vorteil hat gewähren oder gar bestechen lassen.

Geladen sind an diesem Tag vier Angestellte des Bayerischen Hofs. In Münchens bestem und teuerstem Haus hatten Wulff mit Frau und Sohn sowie Groenewold Ende September 2008 anlässlich des Oktoberfestbesuchs genächtigt. Entscheidend ist, wer das Hotelzimmer mit der Nummer 770 für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten bezahlt hat.

Die Zahlen gehen wild durcheinander

Als Erstes ist deshalb der Assistent der Geschäftsleitung geladen. Der 38-jährige, der insbesondere für VIP-Gäste zuständig ist, wie er aussagt, hatte allerdings nach eigenem Bekunden mit dem Aufenthalt der beiden Angeklagten seinerzeit im Bayerischen Hof wenig zu tun, und er kann deshalb auch wenig dazu bezeugen. Immerhin berichtet er, dass Wulff in einer etwa 100 Quadratmeter großen Suite mit getrenntem Wohn- und Schlafraum übernachtet habe, das normalerweise 1.900 Euro pro Nacht koste. Bezahlt hat er aber offenbar von den tatsächlich in Rechnung gestellten 770 Euro für zwei Nächte nur 570 Euro, sprich: 285 Euro pro Nacht. 200 Euro wurden auf die Rechnung von Groenewold umgebucht – auf dessen Wunsch, wie er am ersten Prozesstag erklärt hatte.

Das Wort "offenbar" ist in dem Zusammenhang wichtig. Denn die Zahlen gehen an diesem Tag wild durcheinander. Es ist von verschiedenen Reservierungen die Rede, erst ohne, dann mit dem Namen Wulff, von unterschiedlichen Buchungssystemen und verschiedenen Rechnungsbeträgen. Als zweiter Zeuge bestätigt der Empfangschef des Hotels, dass Wulff von der Hotelleitung statt des über Groenewold gebuchten Doppelzimmers ein kostenloses Upgrade in eine Suite bekam, "auch weil es Herr Wulff war, na klar". Das sei allerdings nicht unüblich, beteuert er. Auch andere Prominente und Stammgäste bekämen häufig ein kostenloses Upgrade.

Das Detail ist wichtig. Denn während der Wulff-Affäre im vergangenen Jahr war zum Teil der Eindruck entstanden, Groenewold habe für den Wechsel in die Suite bezahlt. Es geht dann auch noch darum, wer seinerzeit wie den Babysitter für die Wulffs im Hotel bezahlt hat – ohne rechtes Ergebnis.

Viel wichtiger aus Sicht der Verteidigung ist jedoch, dass der Empfangschef auf ihre Frage, ob Wulff seinerzeit erfahren haben müsse, dass Groenewold einen Teil seiner Hotelrechnung übernommen habe, kurz und bündig mit "Nein" antwortet. Was zumindest für die Zuschauer den Schluss nahelegt, dass er ja kaum einen "Vorteil" angenommen haben könne, von dem er gar nichts wusste.