Im Prozess gegen Christian Wulff hat sich der ehemalige Bundespräsident in die Befragung einer Zeugin eingeklinkt. "Der Eindruck besteht, dass ich mein Leben weitgehend auf Sylt und auf Capri verbracht habe", sagte der frühere niedersächsische Ministerpräsident im Landgericht Hannover. 

Dem widersprach er: Im Januar 2008 seien aber schon 800 Termine in seinem Kalender eingetragen gewesen. Auch der Oktoberfestbesuch 2008, um den sich das Verfahren dreht, war aus Wulffs Sicht kein freies Wochenende gewesen. Damals war er Ministerpräsident in Niedersachsen. 

Eine frühere Mitarbeiterin der niedersächsischen Staatskanzlei hatte zuvor ausgesagt, dass der 27. September 2008 – also der Tag des Oktoberfestbesuchs – als frei geblockt war. "Wenn wir mal ein freies Wochenende brauchten, haben wir eingetragen 'MP in Brandenburg'", sagte die Zeugin. Auf diese Weise habe man verhindern können, dass doch noch Terminanfragen an den Regierungschef herangetragen wurden.

Wulff muss sich vor dem Gericht wegen des Verdachts der Vorteilsannahme verantworten. Der Filmproduzent David Groenewold ist wegen Vorteilsgewährung mitangeklagt. Er soll zum Oktoberfest 2008 einen Teil der Hotelkosten für Wulff und dessen Frau übernommen haben. Später setzte sich der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen für ein Filmprojekt seines Freundes beim Siemens-Konzern ein.