Noch nie waren Soldaten unzufriedener als in diesem Jahr: Die Beschwerden über Missstände bei der Bundeswehr haben 2013 einen Höchststand erreicht – seit Beginn der Erfassung 1959. Bis Ende Dezember gingen beim Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus 5.061 Beschwerden ein. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Offenbar hängt die Unzufriedenheit der Soldaten mit der Bundeswehrreform zusammen. "Wer derart brutal einschneidet, erzeugt immer auch Reformverlierer", sagte der Chef des Bundeswehrverbandes, André Wüstner. Es gebe aufgrund der Geschwindigkeit "unheimlich viele Dinge, die nicht erklärt werden konnten oder noch nicht rund laufen".

Wüstner fordert die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zum Handeln auf: "Von der Leyen kann am ehesten punkten, wenn sie bestimmte Fehler der Bundeswehrreform schnellstmöglich ausbügelt. Dann wird sie schnellstmöglich die Herzen der Soldaten erreichen." Aufgrund der vielen anstehenden Aufgaben will Wüstner der neuen Verteidigungsministerin keine übliche Schonzeit von drei Monaten gewähren. "Eigentlich hat sie keine 100 Tage, weil eben so viele Herausforderungen vor der Tür stehen: Afghanistan , die Neuausrichtung selbst und vieles mehr." 

Von der Leyen verspricht bessere Ausrüstung

Das hohe Tempo bei Grundsatzentscheidungen hätte dazu geführt, dass die individuellen Bedürfnisse der Soldaten zu wenig berücksichtigt worden seien, sagte Königshaus. "Die Soldaten fragen sich: Was ist eigentlich die positive Veränderung gegenüber dem vorhergehenden Zustand?" Auch die häufigen Versetzungen und Verzögerungen bei Beihilfezahlungen für Arztrechnungen seien laut Königshaus ein Grund für den Frust in der Truppe. Die Soldaten-Gewerkschaft fordert ebenfalls schnelle Nachbesserungen der Reform.

Auch die Ausrüstung der Soldaten war in den vergangenen Jahren immer wieder vom Wehrbeauftragten des Bundestags kritisiert worden. Bei ihrem Truppenbesuch in Afghanistan vor Weihnachten versprach von der Leyen den Soldaten mehr Schutz durch bessere Ausrüstung. Die deutschen Streitkräfte bräuchten "effektive Ausrüstungssysteme und kostengünstige", sagte von der Leyen.

Die wichtigsten Punkte der Reform sind die Aussetzung der Wehrpflicht, die Verkleinerung der Truppe von 250.000 auf 185.000 Soldaten und die Schließung von über 30 Bundeswehrstandorten. 90 weitere Standorte sollen zum Teil drastisch verkleinert werden.