Für ihre Forderung nach einem härteren Kurs gegen Armutszuwanderer aus armen EU-Staaten zieht sich die CSU scharfe Kritik zu. Nach dem Willen der CSU soll Zuwanderern zum Beispiel der Zugang zum deutschen Sozialsystem erschwert werden. "Wer eine solche Melodie intoniert, bereitet den Tanz für die Rechtsextremen", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Hartmann, dem Tagesspiegel am Sonntag . Die CSU müsse sich noch daran gewöhnen, "dass sie in einer Koalition mit der SPD nicht mehr ohne jede Rücksicht ihre Wahlkampftöne anschlagen kann", sagte Hartmann. 

Der Linkspartei-Vorsitzende Bernd Riexinger warf der CSU vor, den "antirassistischen Konsens der Demokraten" zu verlassen. "Wenn eine Regierungspartei gegen Ausländer hetzt, darf man sich nicht wundern, wenn braune Gewaltbanden Taten folgen lassen. Hetze hilft niemandem", sagte er der Berliner Zeitung .

Riexinger sieht in dem CSU-Papier mit den Plänen zum Umgang mit Armutsmigranten gar eine gedankliche Verwandtschaft zur NPD.

Zuvor hatte auch der Innenpolitiker der Grünen, Volker Beck, der CSU in einer Erklärung vorgeworfen, Ressentiments zu schüren. "Die CSU sollte nicht das innenpolitische Klima vergiften", sagte Beck. Die SPD-Vizevorsitzende Aydan Özoğuz mahnte die CSU, ihre Klausur nicht dazu zu nutzen, "durch falsche Pauschalurteile die Stimmung in unserer Gesellschaft gegen Arme aufzuheizen".

Am Samstag hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die CSU eine Offensive gegen Armutsmigranten plane und "falsche Anreize zur Zuwanderung verringern" wolle. In einer Beschlussvorlage für die traditionelle CSU-Landesgruppen-Klausur vom 7. bis 9. Januar heißt es: "Wer betrügt, der fliegt." Wenn etwa Sozialleistungsbetrug nachgewiesen werden sollte, solle es eine Möglichkeit geben, die betroffenen Personen nicht nur auszuweisen, sondern diese auch an der Rückkehr nach Deutschland zu hindern. Außerdem wolle die CSU eine "generelle Aussetzung des Bezuges von Sozialleistungen für die ersten drei Monate des Aufenthaltes in Deutschland" prüfen.

Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl forderte zudem im Tagesspiegel am Sonntag , kein Kindergeld für Kinder zu zahlen, die nicht in Deutschland bei ihren Eltern leben.

Anlass der CSU-Pläne sind Befürchtungen, die von Januar an auch für Rumänien und Bulgarien geltende unbeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit könnte zu einem verstärkten Zuzug armer Menschen aus diesen Ländern führen. 

Auch der britische Premier David Cameron hatte im November angekündigt , die Bewegungsfreiheit von Einwanderern aus EU-Staaten in Großbritannien einzuschränken. Der Vorstoß des Premiers wurde von der Europäischen Union scharf zurückgewiesen .