Der ehemalige Chef kuriert sich aus. Rainer Brüderle, Exvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion und "Spitzenmann" im missglückten Wahlkampf, erholt sich zurzeit in Rheinland-Pfalz vom kräftezehrenden Dauereinsatz und von seinem Sturz im Frühsommer. Die Reha fordere ihn täglich drei bis vier Stunden lang, sagte Brüderle der Rheinzeitung. Der 68-Jährige war im Juni gestolpert und hatte  mehrere Knochenbrüche erlitten.  

Von seiner Heimat Mainz aus setzt sich Brüderle zudem dafür ein, neue Jobs für die Mitarbeiter der Abgeordneten zu finden. Fast 600 Menschen waren rund um die inzwischen aufgelöste FDP-Fraktion beschäftigt. Nur etwas mehr als die Hälfte hat eine neue Arbeitsstelle angetreten oder in Aussicht. Vor allem ältere Mitarbeiter, zum Beispiel die Sekretärinnen der Abgeordneten, hätten Probleme, vermittelt zu werden, heißt es.  

Neugierig, was der andere so macht

Auch von den ehemals 93 FDP-Abgeordneten wissen noch nicht alle, was nun aus ihnen wird. Während die liberalen Minister noch geschäftsführend im Amt sind, haben sich die "einfachen" Exparlamentarier längst zerstreut. Viele sind zurück in die Heimat gezogen. Wenn die FDP sich am Samstag und Sonntag zum Bundesparteitag in Berlin trifft, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen, trägt die Zusammenkunft daher  auch das Zeug eines Ehemaligentreffens. Zweieinhalb Monate ist es jetzt her, dass die Liberalen aus dem Bundestag flogen. Neugierig darauf sei man, was wohl die anderen so machen und planen, ist aus der FDP zu hören.

 ZEIT ONLINE hat Ende November eine Umfrage unter den 93 ehemaligen Abgeordneten gestartet. Wir wollten wissen, ob die Abgeordneten ihren Wohnsitz in Berlin behalten, ob sie in ihren alten Beruf zurückgekehrt sind oder eine neue Stelle suchen. Auch, ob sie sich weiterhin bei der FDP engagieren und sich vorstellen könnten, bei der nächsten Wahl nochmals zu kandidieren. Den Abgeordneten wurde Anonymität zugesichert. 

Zurück in den alten Job

Die aus der Partei oft berichtete Lethargie und der immer noch anhaltende Schockzustand bestätigte in den eher geringen Teilnahmezahlen: 16 ausgefüllte Fragebögen fanden ihren Weg zurück in die Redaktion, ein Rücklauf von 17 Prozent. Dass bei Befragungen nur ein Bruchteil der Angeschriebenen teilnimmt, ist allerdings auch nicht sonderlich ungewöhnlich. Wegen der geringen Fallzahl können die Antworten der FDP-Parlamentarier nicht verallgemeinert werden.

Sie sind trotzdem bemerkenswert. Die meisten ehemaligen FDP-Abgeordneten, die den Fragebogen ausgefüllt haben, arbeiten bereits wieder. Zehn von ihnen sind in ihren alten Job als Anwalt, Unternehmer oder Wissenschaftler zurückgekehrt. Das deckt sich mit der Einschätzung führender FDP-Strategen, dass die Abgeordneten auch wegen ihrer Bekanntheit in der Heimat weniger Probleme als ihre Mitarbeiter haben, einen neuen Job zu finden. Zwei ehemalige Abgeordnete gaben an, in Rente gehen zu wollen.  

Ob wirklich die meisten FDP-Abgeordneten so weich gefallen sind, bleibt dahin gestellt. Gut möglich, dass gerade diejenigen, die noch keine Arbeitsstelle haben, den Fragebogen nicht ausgefüllt haben. Tatsächlich berichten ehemalige FDP-Parlamentarier ZEIT ONLINE, dass sie in Gesprächen mit Firmen sind und hoffen, dass sich daraus etwas Konkretes entwickelt. Offiziell äußern wollen sie sich dazu nicht, auch der Fragebogen blieb unbeantwortet.

Vier ehemalige Abgeordnete, die an der Umfrage teilnahmen, haben definitiv noch keinen neuen Job gefunden, zwei von ihnen haben sich nach eigenen Angaben eine Frist von drei Monaten gesetzt, um beruflich wieder Fuß zu fassen. Die beiden anderen lassen es entspannt und ohne Frist angehen.