Der designierte FDP-Vorsitzende Christian Lindner strebt einen grundlegenden Imagewandel für seine Partei an. Wenige Tage vor dem Parteitag, auf dem sich die FDP eine neue Führung geben will, beklagte der 34-Jährige in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung , unsensible Äußerungen und den schlechten Umgang untereinander . Dies hätte die FDP kalt und abstoßend erscheinen lassen.

Dies und falsch gesetzte Prioritäten hätten dazu geführt, "dass die Wähler und selbst manches Mitglied einen Neustart erzwingen wollten'', bemerkte Lindner, ohne einzelne FDP-Politiker direkt zu kritisieren. "Wenn eine Partei miteinander umgeht, als seien das alles Ego-Taktiker, dann entsteht der Eindruck, dass diese Partei kalt ist und offensichtlich auch für das Gesellschaftsbild einer Wolfsgemeinschaft, eines Rudels steht'', sagte der 34-Jährige der SZ .

Der FDP-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag sagte, es sei der Eindruck entstanden, die FDP kümmere sich nur um einzelne Gruppen oder Interessen. Tatsächlich müsse sie sich als Partei erneuern, die wieder "in der ganzen Bandbreite für die Lebenschancen eines jeden Einzelnen arbeitet". Der Eindruck der Kälte und mangelnden Sensibilität sei allerdings nicht mit den Positionen der FDP verbunden. "Unsere liberale Idee ist nicht gegen sozial Schwächere gerichtet", sagte Lindner. "Wir sind keine Kapitalisten."

Inhaltlich neu positionieren

Für die FDP müsse die Chancengerechtigkeit und damit das Bildungssystem im Mittelpunkt stehen. "Wenn so stark wie heute die Herkunft aus der Familie und damit letztlich der natürliche Zufall entscheidet über die Position, die jemand in der Gesellschaft einnehmen kann, dann ist das untragbar", sagte Lindner. Wenn in manchen Regionen zehn Prozent eines Jahrgangs ohne jeglichen Schulabschluss blieben, dann sei das nicht nur sozialer Sprengstoff und volkswirtschaftlich eine enorme Belastung. Es sei auch ethisch "nicht vertretbar".

Darüber hinaus soll sich die FDP nach dem Willen Lindners stärker um den Schutz der Privatheit in Zeiten der totalen Digitalisierung kümmern. "Neue Grenzen zu ziehen, neue Regeln zu beschreiben – das hat noch niemand auch nur annähernd getan", sagte er der Süddeutschen . Außerdem müsse sich die FDP viel stärker Europa widmen und dabei "realistischer in der Bestandsaufnahme" sein. "Wer Europa will, muss es marktwirtschaftlicher, demokratischer und bürgernäher machen", so der FDP-Politiker.

Vor Wahl zum Parteichef

Am Wochenende stellt sich Lindner zur Wahl zum neuen Vorsitzenden der Liberalen – ohne Gegenkandidaten. Die vorherige Führung um Parteichef Philipp Rösler und den Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl, Rainer Brüderle , hatten nach der Wahlniederlage am 22. September ihren Rückzug angekündigt. Bei der Bundestagswahl war die FDP erstmals in ihrer Geschichte an der Fünfprozenthürde gescheitert und deshalb nicht mehr im Bundestag vertreten .