Damals, 2002, schienen Arbeit und Kapital aufeinanderzuprallen. Wolfgang Clement wurde sogenannter Superminister für Wirtschaft und Arbeit –  Rot-Grün legte zwei mächtige, gegensätzliche und vor allem bisher eigenständige Ministeriumsbereiche zusammen. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) brauchte einen Neuanfang in der Arbeitsmarktpolitik. Die deutsche Wirtschaftsförderung und den Arbeitsmarkt zu verbinden, erschien den Koalitionären in schwierigen Zeiten sinnvoll.

Im neu gegründeten Ministerium war die Stimmung damals eher angespannt. "Liberale Ordnungspolitiker treffen auf gewerkschaftsnahe Sozialingenieure, Wettbewerbshüter auf Arbeitsbeschaffer", schrieb das Handelsblatt. Das Superministerium gab es nur vier Jahre – doch es setzte die wegweisende Hartz-IV-Reform um, die heute von vielen als Grundstein für Deutschlands aktuellen Wohlstand gehandelt wird.

So ähnlich könnte es nun, elf Jahre später, wieder kommen. Seit Dienstag ist das Kabinett Merkel III nun offiziell begründet. Auch dieses Mal gibt es ein neues Superministerium, diesmal das für Wirtschaft und Energie. Hier will SPD-Chef Sigmar Gabriel seinen Machtanspruch als Vizekanzler sichern. Bisher rangelten Wirtschafts- und Umweltministerium um Kompetenzen bei der Energiewende, dem derzeit wichtigsten innenpolitischen Projekt der Bundesregierung. Jetzt wird das Umweltministerium die Energiezuständigkeit abgeben, damit die Arbeit künftig in einer Hand liegt.

Auch andere spannende Neuzuschnitte gibt es, so wie die Zusammenwürfelung von Verkehrs- und Internetthemen unter Minister Alexander Dobrindt (CSU).

Grobe Informationen aus dem Kanzleramt

In dieser Woche stellten sich die neuen Minister ihren Mitarbeitern vor. Sie tauschten erstes Führungspersonal aus. Vor allem in den Häusern, in denen sich der Aufgabenzuschnitt geändert hat, konnten aber auch sie eine Frage nicht beantworten: Wer ist ab jetzt genau für was zuständig? 

Am Montag sandte das Kanzleramt ein von Angela Merkel gezeichnetes Schreiben an die betroffenen Ministerien. Der sogenannte Organisationserlass, der ZEIT ONLINE vorliegt, regelt erstmal nur im Groben, wie sich die Kanzlerin künftig die Arbeit ihrer Ministerien vorstellt.

Das Umweltministerium

  • gibt demnach "die Zuständigkeiten für die Energiewende einschließlich der mit Energiewende verbundenen Aspekte des Klimaschutzes" an das Wirtschaftsministerium ab
  • bekommt die Zuständigkeit für Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten sowie Stadtentwicklung, Wohnen, Ländliche Infrastruktur, öffentliches Baurecht (bisher im Verkehrsministerium)
  • heißt künftig in der allgemeinen Berliner Kürzelsprache nicht mehr BMU, sondern BMUB, verkündete Ministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch

Das Verkehrsministerium

  • erhält vom Wirtschaftsministerium die Bereiche "Telekommunikations-Wirtschaft, Breitbandstrategie und das Telekommunikationsrecht", außerdem die Aufsicht über die Bundesnetzagentur
  • gibt dafür das Bauwesen, eine Abteilung mit immerhin derzeit 200 Mitarbeitern, ans Umweltministerium ab

Das Justizministerium wiederum

  • bekommt laut dem Organisationserlass zwar die Zuständigkeit für Verbraucherschutz, aber der Verbraucherschutz für Ernährung und Lebensmittel bleibt laut dem Papier im Agrarministerium

Während alle Welt langsam aber sicher in die Weihnachtsferien entschwindet, ist der Verwaltungsapparat der Bundesregierung in Aufregung. Das Justizministerium ist ein gutes Beispiel dafür. Dort stellte sich am Mittwoch der neue Minister Heiko Maas (SPD) den Mitarbeitern vor. Noch seien die Zuschnitte, vor allem im dazugewonnenen neuen Verbraucherschutzbereich, nicht ganz klar, sagte er. Man werde sich künftig wohl um verbraucherpolitische Aspekte in den Bereichen Datenschutz, Finanzen, Versicherungen, Reise und Verkehr kümmern. Bis zum 8. Januar, beteuerte der Neuminister, sollten die Mitarbeiter Klarheit über ihren künftigen Arbeitsplatz haben.