Spätestens jetzt wird Ursula von der Leyen auch international regelmäßig für Schlagzeilen sorgen – falls sich am Sonntagabend offiziell bestätigt, wonach es aussieht: Sie wird Verteidigungsministerin, die erste Frau an der Spitze der deutschen Streitkräfte. Der machtbewussten CDU-Politikerin dürfte die internationale Aufmerksamkeit gefallen.

Auch für Angela Merkel wäre die Personalie ein Coup. Das Verhältnis der Kanzlerin zur ehrgeizigen Arbeitsministerin ist nicht reibungslos. Doch weiß Merkel, es sieht gut aus, wenn ausgerechnet ihre konservative Parteienfamilie künftig von zwei starken Frauen in Männerdomänen vertreten wird: Im Kanzleramt und eben im Bendlerblock.

Eine Verteidigungsministerin hat die Befehls- und Kommandogewalt über die deutschen Streitkräfte. Derzeit sind dies rund 184.000 Soldaten. Nur im Verteidigungsfall geht diese Führungsaufgabe über an die Kanzlerin. Von der Leyen wäre fortan für die Umsetzung der Bundeswehrreform zuständig, für die Motivation der Soldaten in Zeiten von Standortschließungen. Sie müsste daran arbeiten, die Freiwilligenarmee nach dem Wegfall der Wehrpflicht attraktiver zu machen. Auch steht 2014 der vollständige Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan an, der viele Fragen mit sich bringt. Zum Beispiel: Was wird aus den afghanischen Helfern der deutschen Streitkräfte, die Angst vor Rache der Taliban haben?

Warmlaufen fürs Kanzleramt

Nicht umsonst gilt das Amt des Verteidigungsministers als einer der wichtigsten und prestigeträchtigsten Kabinettsposten der Bundesregierung. Obwohl Deutschland selbst in sehr friedlichen Zeiten lebt. Bisher war die Verteidigungspolitik nicht wirklich überliefert als das Herzensthema von der Leyens. Sie bietet aber zahlreiche Themen, die der Politik-Generalistin auch wegen ihrer Profilierungsmöglichkeiten gefallen dürften.

Deutsche Rüstungsexporte bleiben ein schwieriges Thema, das moralische Konflikte mit sich bringt. Von der Leyen könnte hier mit ihrer zugewandten Art punkten. Die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der EU müsste in den kommenden Jahren fortentwickelt werden. Auch dieses Thema dürfte sie reizen. Von der Leyen hatte sich schon in ihrer innenpolitischen Funktion als Arbeitsministerin für mehr europäische Integration ausgesprochen. Ihr Vorstoß, europäische Krisenländer sollten doch Goldbarren als Pfand für Hilfsleistungen hinterlegen, wurde schon damals als Versuch einer internationalen Profilierung gedeutet. Bei der Kanzlerin kam die Idee damals nicht so gut an.

Ursula von der Leyen werden Ambitionen auf die Nachfolge Merkels im Kanzleramt nachgesagt. Spätestens 2017 wird die jetzige Kanzlerin abtreten. Das gilt als sicher. Manche meinen sogar, dass Merkel noch nicht mal mehr die Legislaturperiode vollmacht. Langsam, aber sicher muss also eine Nachfolgerin aufgebaut werden. Auch deswegen hatte von der Leyen früh darauf bestanden, dass sie im Kabinett der Großen Koalition eine wichtige Aufgabe bekommt. Da schnell klar war, dass ihr bisheriges Haus, das Arbeitsministerium, an die SPD fällt, wurde hinter den Kulissen gerungen. Außenministerin, das wäre ebenfalls ein attraktiver Job für von der Leyen gewesen. Doch auch diese Position fiel an die Sozialdemokraten.

Ihren Wünschen ordnet sich die CDU unter

Lange war die 55-jährige Ärztin dann als Gesundheitsministerin im Gespräch. Doch von Anfang an war zu hören, dieses Amt erscheine ihr wenig attraktiv. Schließlich hatte von der Leyen sich bereits vom Familienministerium ins Arbeits- und Sozialministerium hochgearbeitet. In den vergangenen Jahren verantwortete sie den größten Geldtopf aller Minister und einen riesigen Aufgabenbereich. Gesundheitspolitik, das hätte wie ein Abstieg ausgesehen. Eine Überlegung lautete daher, dass zumindest die Rentenpolitik dem Ressort zugeschlagen werden sollte. Dann hätte von der Leyen ein Projekt umsetzen können, um das sie in der vergangenen Legislaturperiode lange gekämpft hatte: die Mindestrente. Auch hier standen aber die Sozialdemokraten im Weg.

Ursula von der Leyen kann sehr zäh sein, wenn ihr etwas nicht gefällt. Ihre Ansprüche sind vielleicht entscheidend dafür, dass es in den vergangenen Stunden drunter und drüber ging mit den Personalien in der Union. Nach außen hin jedenfalls entstand der Eindruck: Leyens Karrierewünschen müssen sich alle anderen Personalien unterordnen. Offenbar hat die Tochter des langjährigen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ihre Machtprobe gewonnen.