Die NPD hat ihrem zurückgetretenen Vorsitzenden Holger Apfel Medienberichten zufolge mit einem Parteiausschluss gedroht. Sollte Apfel nicht alle Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Rücktritt ausräumen, werde ihm das Parteipräsidium einen zeitnahen Parteiaustritt nahelegen, beschloss das Gremium nach Angaben von NDR Info und Spiegel Online.

"Mit Befremden muss das Parteipräsidium zur Kenntnis nehmen, dass die zunächst von Apfel zur Begründung für seinen Rücktritt angeführten 'Krankheitsgründe' offenbar nur ein Teil der Wahrheit sind", wird aus einer Erklärung zitiert. "Weitergehende Vorwürfe, die Verfehlungen in der Vergangenheit betreffen, hat Apfel bislang nicht entkräftet."

Der NPD-Vorsitzende hatte am Donnerstag sein Amt mit sofortiger Wirkung aufgegeben. Grund dafür sei eine schwere Erkrankung, hatte der Parteisprecher mitgeteilt. Es gibt allerdings Spekulationen über andere Rücktrittsgründe, die mit seinem Privatleben zu tun haben. Nach Informationen von Spiegel Online hieß es in der Parteiführung, Apfel werde vorgeworfen, sich seit Jahren offenbar erpressbar gemacht zu haben. Das Präsidium wolle ihn nun auffordern, einen umfangreichen Fragenkatalog zu den Vorwürfen zu beantworten. 

Pastörs führt Partei

Übergangsweise leiten Apfels Stellvertreter nun die Partei. Der Schweriner Fraktionschef Udo Pastörs, der bayerische Landeschef Karl Richter und Frank Schwerdt, Leiter der Rechtsabteilung, werden die Geschäfte führen, bis ein neuer Vorsitzender gefunden ist. Pastörs soll die Partei solange als kommissarischer Chef führen, teilte die Partei in der Nacht zu Montag mit.

Allerdings ist die NPD nicht nur wegen ihres Personals in der Krise. Nach Informationen von NDR Info hat sich auch die finanzielle Lage der Partei weiter verschärft: Alle hauptamtlichen Mitarbeiter der Parteizentrale hätten in den vergangenen Tagen ihr Kündigungsschreiben erhalten. Die NPD könnte nicht mehr für die Auszahlung ihrer Gehälter garantieren, heißt es in dem Bericht.

Bei der Bundestagswahl im September hatte sie nur 1,3 Prozent erreicht. Wegen nicht beglichener Strafzahlungen hat ihr die Bundestagsverwaltung die Zahlungen der staatlichen Parteienfinanzierung abgedreht.