Mit Ronald Pofalla verlässt einer der engsten Vertrauten von Angela Merkel das politische Machtzentrum Deutschlands. Lange wurde darüber spekuliert, welche Rolle der Kanzleramtsminister denn künftig in der Großen Koalition einnehmen würde. Welche Belohnung würde er für jahrelanges hartes Arbeiten ohne Privatleben erhalten? Und jetzt da bekannt ist, dass die Große Koalition zustande kommen wird, tritt er ab. 

Als Wirtschafts- oder Arbeitsminister wurde Pofalla gehandelt. Sogar als Innenminister, obwohl er als Zuständiger für die deutschen Nachrichtendienste in der Aufarbeitung der NSA-Abhör-Affäre keine rühmliche Rolle spielte. Zu früh hatte er den Skandal für beendet erklärt. Danach wurde bekannt, dass selbst das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin abgehört wurde.

Pofalla will aber keinen Ministerposten, sondern raus aus der Politik. Nach einer Auszeit will der 54-jährige in die Wirtschaft wechseln. Sein Bundestagsmandat, was er bereits seit 1990 führt, will er aber zunächst behalten.

Er ist stolz darauf, ganz oben angekommen zu sein und verweist gern darauf, dass er sich von ziemlich weit unten hochgearbeitet hat. Er machte Mittlere Reife, besuchte eine Fachoberschule und studierte schließlich erst Sozialpädagogik und dann noch Rechtswissenschaften.

Merkels Mann fürs Grobe

Merkel hat Pofalla einiges zu verdanken. Der Rheinländer war auch ihr Mann fürs Grobe. Die CDU-Chefin profitierte von seiner Angriffslust. Eine Eigenschaft, die Merkel selbst nicht liegt. Einmal wurde öffentlich, wie er mit Weggefährten umgeht, die sich ihm widersetzen: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen", schrie er den CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach an, der sich von seinem Nein zu einem neuerlichen Griechenland-Hilfspaket nicht abbringen ließ.  

Auch an dem beachtlichen Wahlsieg der Union bei der Bundestagswahl im September hatte Pofalla seinen Anteil. Als Kanzleramtschef stärkte er Merkels Position in der Koalition, im In- und im Ausland.

Schon vor geraumer Zeit stellte er sich aber die Frage, ob eine solch hohe Arbeitsbelastung der einzige Sinn des Lebens sein kann, oder nicht auch Bootstouren, Sport oder Ausschlafen erstrebenswert wären. Der 54-Jährige will dem Vernehmen nach nun eine Familie gründen.