Der Rücktritt von Holger Apfel als NPD-Vorsitzender kommt nicht überraschend. Nur zwei Jahre hielt er sich an der Spitze der Neonazi-Partei. Sein Kurs der "seriösen Radikalität" wurde von den Kameraden schon seit seinem Amtsantritt 2011 argwöhnisch bis abschätzig beobachtet. Die versprochenen Erfolge – eine Öffnung der Nationaldemokraten in bürgerlichere Schichten – blieben aus.

Da half es auch nicht, dass die NPD im Wahlkampf Gefahren durch eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands thematisierte – eigentlich ein populistisches Thema. Die Partei ist in der Krise, finanziell wie personell. Sie bekam bei der Bundestagswahl gerade mal ein Prozent der Stimmen. Viele, die Apfel bei seiner Wahl noch in der Kampfabstimmung gegen den langjährigen Vorsitzenden Udo Voigt unterstützt hatten, hatten sich zuletzt enttäuscht von ihm abgewandt.

Wenn Apfel nun nach monatelangen Grabenkämpfen und Anfeindungen kurz vor der Europawahl und den wichtigen Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg 2014 entnervt aufgibt – angeblich wegen eines Burn-outs – zeigt vor allem eines: das radikale rechtsextreme Spektrum möchte sich nicht weichspülen lassen. Die Neonazis sehnen sich vielmehr nach den Zeiten zurück, als die Parolen noch "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!" statt "Maria statt Scharia" hießen. 

Die NPD wird radikaler

Die NPD hat jetzt nur zwei Optionen. Eine Möglichkeit ist, dass der ewige Strippenzieher Udo Voigt auf seinen Posten als NPD-Vorsitzender zurückkehrt und es schafft, mit seinen langjährigen Kontakten die internen Streitigkeiten zu schlichten. Schließlich war er es auch, dem es 1996 gelang, den militanten Kameradschaften die Hand zu reichen und sie in die NPD einzugliedern. Damals gelang es Voigt, die Partei aus der Krise zu führen und hielt 15 Jahre als Parteichef die Zügel in der Hand. Wirklich neuen Schwung wird es mit Voigt aber nicht geben.

Zweiter möglicher Nachfolger ist Udo Pastörs, langjähriger Kader der NPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern. Ein knallharter Neonazi, der Deutschland als "Judenrepublik" und türkische Männer als "Samenkanonen" bezeichnet. Fanatische Rechtsextremisten würden ihn gerne an der Parteispitze sehen. Die NPD-Jugendorganisation JN kommentierte schon Stunden nach Apfels Rücktritt, die Partei habe jetzt endlich die Chance, sich "innerhalb der Bewegung wieder besser zu positionieren".

Apfel ist zudem als Fraktionsvorsitzender im sächsischen Landtag zurückgetreten. Auch hier muss die Partei schnell einen charismatischen Nachfolger finden, denn sie will im kommenden Jahr unbedingt ihr Parlamentsmandat behalten.

Klar ist bislang, dass die NPD sich nach Apfels Abgang wieder stärker radikalisieren wird. Die Szene wird es freuen. Diejenigen, denen die Entwicklung der Partei ungeheuer ist, müssen bis dahin weiter auf das NPD-Verbot hoffen.