Der prominente Neuzugang der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Hans-Olaf Henkel, hat für den anstehenden Europawahlkampf sämtliche andere Ämter niedergelegt. Er wolle sich mit vollem Einsatz der im Mai anstehenden Wahl widmen, sagte der frühere Präsident des Industrieverbandes BDI bei seiner offiziellen Vorstellung in Berlin.

Auf der Präsentation des einstigen Spitzenmanagers wurde bekannt, dass nicht Henkel, sondern Bundessprecher Bernd Lucke AfD-Spitzenkandidat für die Wahl des Europaparlaments im Mai werden soll. Henkel werde ihm auf Platz zwei oder drei folgen, hieß es. 

Die AfD ist wegen ihrer Euro-kritischen Programmatik umstritten und gilt als rechtspopulistisch geprägt. Sie spricht sich gegen die europäische Gemeinschaftswährung aus und hat diese als Hauptursache der europäischen Finanzprobleme ausgemacht. Zudem macht sie sich gegen Einwanderer aus ärmeren EU-Ländern stark.    

Henkel versuchte, diesen europafeindlichen, nationalistischen Eindruck zu zerstreuen und sagte, er habe nie Rechte in der Partei getroffen. "In der AfD sind ausschließlich Ehrenfrauen und Ehrenmänner politisch aktiv", sagte er. Auch Bundessprecher Bernd Lucke beteuerte, die AfD sei "eine proeuropäische Partei". 

Mit Henkel hat die Partei einen prominenten Neuzugang zu verzeichnen, der der AfD für die Wahl des Europaparlaments Auftrieb geben soll. Die AfD hofft auf einen Einzug in das Parlament, insbesondere da die Hürde bei nur drei Prozent liegt. Bei der Bundestagswahl war sie mit 4,7 Prozent knapp gescheitert. 

Henkel beteuerte allerdings, er sei einfaches Parteimitglied und strebe keine Parteikarriere an. Er wolle mit seinem Eintritt vor allem liberale Wähler zu der Partei führen. Von seiner Kandidatur solle ein Signal an gleichgesinnte Wähler für die kommende Europawahl ausgehen. "Ich will auch einen Betrag dazu leisten, dieser Partei ein liberales Profil zu geben", sagte er. Zum Parteieintritt habe ihn die – aus seiner Sicht – unverantwortliche Euro- und Europapolitik aller etablierten Parteien und die Aufgabe liberaler Grundsätze durch die FDP bewogen.

Henkel rechnet seiner Partei bei der Wahl gute Chancen aus. Das Antreten der AfD sei vor allem deshalb aussichtsreich, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht kandidiere. Merkel hatte zur Bundestagswahl im September für die CDU fast die absolute Mehrheit erreicht. Handelsblatt Online sagte Henkel kurz vor seiner Vorstellung, er prophezeihe nicht den baldigen Untergang des Euro. Er befürchte aber eine "massive Beschädigung der Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Zone, insbesondere Deutschlands". 

Am Wochenende hatte die Partei für Ärger gesorgt, weil sie für einen Teil des Landesparteitages in Hessen Journalisten ausschloss. Medien sehen die Pressefreiheit eingeschränkt, AfD-Sprecher Lucke verteidigte dies als Inanspruchnahme der Versammlungsfreiheit. 

Aus dem Treffen des intern zerstrittenen Landesverbandes Hessen kamen dennoch Details an die Öffentlichkeit, weil die AfD-Organisatoren beim Hinausschicken der Medien den Reporter der Wirtschaftswoche übersahen. Abseits sitzend twitterte der Journalist live aus der Veranstaltung und berichtete ausführlich.  

An anderer Stelle zeichnet sich derweil ein kleiner Erfolg für die AfD ab: Im sächsischen Freital könnte die Partei demnächst eine Stadtratsfraktion bilden. Drei CDU-Abgeordnete traten aus ihrer Partei aus. Am Montag stellten sie sich als AfD-Abgeordnete vor.