"Homosexualität war über Jahrhunderte das große Tabu nahezu aller Streitkräfte", stellte die Zeitung Bundeswehr aktuell im Januar fest. Homosexuelle Vorgesetzte stufte der Militärische Abschirmdienst (MAD) als erpressbar und damit als Sicherheitsrisiko ein.

Bestes Beispiel dafür ist bis heute der Fall Günter Kießling. Der Vier-Sterne-General wurde 1983 wegen der bloßen Vermutung, er sei homosexuell, in den unfreiwilligen Ruhestand versetzt. Doch die Gerüchte stellten sich schnell als unhaltbar heraus. Kießling wurde rehabilitiert – und einige Monate später mit militärischen Ehren erneut in den Ruhestand verabschiedet. Sein Ruf war ruiniert. Verteidigungsminister Martin Wörner (CDU) jedoch, der einer der höchsten deutschen Soldaten aufgrund des Homo-Verdachts aus der Truppe entfernt hatte, blieb im Amt und wurde später sogar Generalsekretär der Nato.

Heute sollen militärische Gleichstellungsbeauftragte in der Bundeswehr dafür sorgen, dass sich ähnliches nicht wiederholt und Homophobie in den Streitkräften der Vergangenheit angehört. Dennoch traut sich bis heute kaum ein Soldat, sich offen zu seiner Homosexualität zu bekennen, schon gar nicht in höheren Rängen. Zu groß schätzen sie offenbar weiterhin das Risiko für ihre Karriere ein.

Einen "Fall Hitzelsperger" habe es in der Bundeswehr noch nie gegeben, stellte die FAZ jüngst fest: "Von den rund 200 aktiven Generälen und Admiralen der Bundeswehr hat sich bis heute keiner öffentlich geoutet." Dabei wäre es höchste Zeit, dass einer von ihnen Hitzlsperger folgt. Er könnte damit Vorbild sein und ein Zeichen setzen – gegen die weiterhin bestehende Diskriminierung in der Truppe.