Mehrere Hundert Menschen aus dem linken Spektrum haben am Dienstagabend im Hamburger Stadtteil St. Pauli gegen das von der Polizei eingerichtete Gefahrengebiet demonstriert. Bis auf vereinzelte Böllerwürfe sei die spontan angemeldete Demonstration ohne größere Zwischenfälle geblieben, sagte ein Polizeisprecher. Nach seinen Angaben beteiligten sich rund 600 Menschen an der Aktion.

Zuvor hatte eine Polizeisprecherin erklärt, das Gefahrengebiet in Teilen von St. Pauli, Altona und dem Schanzenviertel bleibe weiter bestehen. "Es muss langfristig zu erkennen sein, dass sich etwas tut." Wie lange das umstrittene Gefahrengebiet aufrechterhalten wird, und die Polizei somit verdachtsunabhängig jeden Bürger kontrollieren kann, stehe nicht fest. "Wir bewerten das jeden Tag neu." Das Gefahrengebiet war nach Ausschreitungen in der Hansestadt am Samstagmorgen eingerichtet worden.   

Währenddessen hat die US-Botschaft einem Zeitungsbericht zufolge per E-Mail eine Warnung an Landsleute verbreitet, die in Hamburg leben oder die Stadt in den nächsten Tagen besuchen möchten. Sie sollten in der zum Gefahrengebiet erklärten Sperrzone Vorsicht walten lassen, "besonders in der Nähe von großen Versammlungen, Protesten oder Demonstrationen", zitierte der Tagesspiegel aus der Mail. Die Polizei könne Personen ohne Ausweispapiere in der Zone, zu der weite Teile der Innenstadt gehören, ohne Begründung festhalten.  

Zudem habe die Polizei zusätzliche Autorität, Personen zu stoppen oder ihnen den Aufenthalt in bestimmten Stadtteilen zu verbieten. Weiter heißt es in dem Sicherheitshinweis: Auch zunächst friedliche Demonstrationen könnten in Gewalt ausarten. Die Pressestelle der US-Botschaft bestätigte auf Tagesspiegel-Anfrage die Authentizität des Schreibens. Es handele sich dabei um "eine Routineangelegenheit", ließ die Botschaft verlauten.