Wenn die CSU alljährlich zur Klausurtagung in Wildbad Kreuth einfällt, gastieren viele der mitreisenden Journalisten im Hotel Post  – einem bayerischen Traditionsgasthof, wie er im Buche steht. Außen ziert ein Posthorn die Fassade, innen hängen alte Ochsengeschirre und jede Menge Jagdtrophäen an der Wand. Abends treffen sich hier Medienleute und Politiker, um noch einmal die Debatten des Tages Revue passieren zu lassen. Dazu gibt es dann Weißbier und deftige regionale Gerichte.

Die Spätzle oder Bratkartoffeln, die bei dieser Gelegenheit verzehrt werden, hat ein Mann namens Sergin Mikhail Cazocu gekocht. Der 28 Jahre alte Rumäne ist seit eineinhalb Jahren im Hotel Post beschäftigt und hat sich hochgearbeitet: Erst war er Spülkraft, jetzt ist er Beilagenkoch.

Es ist schade, dass die CSU-Politiker den zurückhaltenden jungen Mann mit der dunkelblonden Kurzhaarfrisur nie zu Gesicht bekommen. Vielleicht würde es ihnen dann schwerer fallen, über Armutsmigration in erster Linie unter dem Stichwort "Betrug" zu diskutieren.

250 Euro im Monat

Denn auch Cazocu ist ein Armutsmigrant. Aus seiner Heimatstadt Bukarest wäre er wohl nie weggegangen, wenn er nicht 2012 seinen Job verloren hätte. Bis dahin arbeitete er in der rumänischen Niederlassung eines deutsch-österreichischen Unternehmens. Doch dann packte die Krise das Land, Aufträge blieben aus. In seiner letzten Arbeitsstelle verdiente er 600 Euro im Monat, die Angebote, die er dann bekam, lagen bei 250 bis 300 Euro. 


Cazocu kontaktierte seinen Cousin. Der war bereits in Kreuth im Hotel Post. "Kannst Du mir nicht auch einen Job in Deutschland besorgen", fragte Cazocu. Einen Monat später rief der Cousin zurück, am übernächsten Tag stieg Cazocu in Bukarest in den Bus und fuhr los. Zunächst blieb er für eine Saison, doch weil der Chef mit ihm zufrieden war, kam er bald wieder. Mittlerweile ist Cazocu in dem Hotel unbefristet angestellt.  

Hotelchef Michael Rauh ist zufrieden mit seinen osteuropäischen Mitarbeitern. Und mehr als das. "Ohne die könnte ich den Laden zumachen", sagt der großgewachsene Mann, der Trachtenjanker zur Jeans trägt. Im Hotel Post arbeiten derzeit drei Rumänen und ein Slowake. Im wenigen Kilometer entfernten Urlaubsort Rottach-Egern betreibt Rauh noch ein Restaurant. "Dort bin ich der einzige Deutsche", lacht er. Das Team besteht aus zwei Slowaken, einem Bulgaren und einem Rumänen. In den meisten anderen Hotels in der Touristengegend ist es ähnlich. Fast überall sind Mitarbeiter aus Osteuropa im Einsatz.