Der Staatsrechtler und frühere Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts Winfried Hassemer ist tot. Das bestätigte das Bundesverfassungsgericht gegenüber ZEIT ONLINE. Wie die Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet, starb Hassemer am Donnerstag nach langer Krankheit im Alter von 73 Jahren.

Seit 1996 wirkte Hassemer am höchsten deutschen Gericht in Karlsruhe und stoppte als Vorsitzender des Zweiten Senats etwa das erste Verbotsverfahren gegen die NPD. Spätestens mit dieser Entscheidung wurde er bundesweit bekannt.

Zuvor hatte sich der entschieden liberale Jurist bereits gegen den sogenannten Großen Lauschangriff ausgesprochen und spielte auch bei der vorgezogenen Bundestagswahl im September 2005 eine entscheidende Rolle: Unter Hassemers Vorsitz war die Klage gegen die Auflösung des Bundestags nach der mutwillig gescheiterten Vertrauensfrage des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder unbegründet zurückgewiesen worden.

Hassemer setzte sich zudem schon früh für den Datenschutz ein. 1991 wählte ihn der Hessische Landtag zum neuen Datenschutzbeauftragten des Landes. Hassemer rügte unter anderem die mangelnde Aufmerksamkeit für den Datenschutz in hessischen Behörden und warf dem Landesamt für Verfassungsschutz überzogene Sicherheitsüberprüfungen von Angehörigen des öffentlichen Dienstes und eine unzulässige Datensammlung "auf Vorrat" vor.

Zuletzt wirkte er als Publizist und Ombudsmann beim Autohersteller Daimler sowie der Kreditauskunft Schufa und war in einer Anwaltskanzlei in Frankfurt/Main tätig.