Eimterbäumer weist darauf hin, dass mögliche strafrechtliche Vorwürfe gegen Glaeseker in diesem Zusammenhang Ende 2013 verjährt seien. Deshalb könne er nun die Aussage nicht mehr verweigern. Am Ende des Tages kündigt Richter Rosenow also an, dass man versuchen werde, Glaeseker für den 16. Januar zu laden. Und auch Groenewolds frühere Sekretärin soll noch einmal vernommen werden. Das Gericht möchte offensichtlich der Staatsanwaltschaft keine Gründe für eine erfolgreiche Revision liefern, also eine Wiederaufnahme des Falls wegen Verfahrensmängeln.

All dies ändert nichts daran, dass die Ermittler und die Staatsanwalt nach wie vor keine handfesten Belege vorlegen können, dass es zwischen Wulff und seinem Freund Groenewold eine Absprache zur Filmförderung gegeben hat: Laut Anklage hat Wulff den Brief an Siemens als Gegenleistung für die Oktoberfesteinladung geschrieben.

LKA-Beamter offenbart Lücken

Am Donnerstag wurde vor Gericht ein weiterer LKA-Beamte vernommen. Er, der nun doch nicht der letzte Zeuge  gewesen sein wird,  offenbarte erneut auffällige Lücken in der Beweisführung. So wurde er nach einer entscheidenden Mail von Groenewold an Wulff vom 29. September 2008 gefragt. Darin soll Filmfinanzier Groenewold den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten gebeten haben, sich bei Siemens für sein Filmprojekt zu verwenden. Ob diese Mail auf den Rechnern der Staatskanzlei in Hannover gefunden worden sei, fragt der Vorsitzende Richter. Man habe "nicht konkret danach gesucht", räumte der LKA-Beamte ein, da die Sekretärin von Groenewold ausgesagt habe, dass sie eine solche Mail nach ihrer Erinnerung abgeschickt habe. Stattdessen verwies der LKA-Ermittler lediglich auf den "engen zeitlichen Zusammenhang" zwischen der Oktoberfest-Einladung und dem Brief an Siemens.

Wulffs Verteidiger haben noch ein Entlastungsargument. Denn wie auch der LKA-Beamte bestätigte, hatte sich Wulff schon vorher zur Vorbereitung einer Chinareise nach dem Oktoberfestbesuch und auch danach nach dem früheren Siemens-Manager Rabe erkundigt. Der hatte während des Zweiten Weltkriegs 200.000 Chinesen in Nanjing vor japanischen Angriffen gerettet und wird deshalb in China bis heute als "Schindler von China" verehrt. Wulffs Werben bei Siemens für den Rabe-Film könnte also auch ganz andere Gründe gehabt haben.

Verteidiger beklagen "Prozessverschleppung"

Die Vernehmung weiterer Zeugen lehnen die Verteidiger am Donnerstag nach dreistündiger Unterbrechung ab. Sie werfen der Staatsanwaltschaft "Prozessverschleppung" vor. Da nicht nachgewiesen werden könne, dass Wulff überhaupt einen Vorteil erhalten habe, indem Groenewold für ihn einen Teil der Hotelkosten und den Besuch im Festzelt in München bezahlt hatte, komme es auf eine angebliche Gegenleistung – den Brief – gar nicht an. 

Klar ist nach dem Prozesstag nur eines: Das Verfahren wird noch etwas länger dauern. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wulff verurteilt wird, hat sich durch die neuen Anträge nicht unbedingt erhöht.