In der Bundestagsdebatte über die Situation in der Ukraine ist es zum Streit zwischen den Oppositionsparteien Linke und Grüne gekommen. Zum Eklat kam es, als der Linke-Abgeordnete Andrej Hunko der ukrainischen Opposition faschistische und antisemitische Tendenzen vorwarf. Man dürfe den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch nicht einseitig für die Gewalt in dem Land verantwortlich machen. Die rechtsextreme Partei Swoboda sei derzeit die dominante Kraft in der ukrainischen Opposition. Deutsche Politiker würden sich davon nicht ausreichend distanzieren.

Gleichzeitig griff die Linke-Abgeordnete Sevim Dagdelen, die nicht an der Bundestagsdebatte teilnahm, die Grünen scharf an. Während die Debatte lief, twitterte sie: "Unerträglich diese verwelkten Grünen, die die Faschisten in der Ukraine verharmlosen, die antisemitische Übergriffe begehen."  

Der Tweet, den die Grünen-Abgeordnete Britta Hasselmann während der Debatte vorlas, löste im Bundestag Empörung aus. "Ich finde es unerträglich, in dieser Art und Weise unsere Debatte hier zu kommentieren", sagte Hasselmann. Sie forderte Hunko auf, sich von dem Tweet zu distanzieren. Dieser sagte, er könne sich nicht zu Tweets äußern, die er nicht kenne. Als Hunko erneut kritisierte, rechte Kräfte wie die Swoboda-Partei würden einfach als Teil der ukrainischen Oppositionsbewegung akzeptiert, kam es zu Protest und Zwischenrufen aus dem Plenum.  

Auch auf Twitter ging der Streit weiter. Der Grünen-Politiker Omid Nouripour nannte Dagdelens Vorwürfe "infam", der innenpolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, warf der Linken "Kumpanei" mit Janukowitsch vor.

Bundestagpräsident Norbert Lammert sagte mit Blick auf Dagdelens Tweet, nach seinem "Stilempfinden" sollte es sich von selbst verbieten, dass Abgeordnete, die nicht im Plenum dabei seien, die Debatte über andere Medien kommentierten.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, warf Teilen der Linken vor, die Opposition in der Ukraine als "Faschos" zu diffamieren. In seinem Redebeitrag sagte Norbert Röttgen (CDU), die Fraktion der Linken nutze einzelne Stimmen aus der Ukraine, um die Opposition insgesamt zu diffamieren.

Lammert rief die Führung in der Ukraine dazu auf, schnellstmöglich zu Verhandlungen mit der Opposition zurückzukehren. An Janukowitsch gerichtet sagte er: "Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht. Halten Sie weiteren Schaden von Ihrem Land und ihren Bürgern ab." Es müsse endlich eine offen Diskussion über eine Verfassungsreform geführt werden, sagte Lammert. Alle Beteiligten müssten einsehen, dass sich Veränderungen weder mit Gewalt durchsetzen noch mit Gewalt dauerhaft verhindern ließen.