Am Montagvormittag sieht es für kurze Zeit so aus, als sei Christian Schmidt doch mal wieder nur "im Gespräch" gewesen. Er wisse selbst noch nicht, wer der künftige Landwirtschaftsminister werden solle, teilt CSU-Chef Horst Seehofer Journalisten kurz vor Beginn der Präsidiumssitzung in München mit.

Überraschend ist das insofern, als die Journalisten zu diesem Zeitpunkt längst zu wissen glauben, auf wen die Wahl gefallen ist. Nachfolger des über die Edathy-Affäre gestürzten Hans-Peter Friedrich werde der Parlamentarische Staatsekretär im Entwicklungsministerium, Christian Schmidt, hatten die Agenturen bereits eine Stunde zuvor gemeldet.  

Wenig später ist dann allerdings klar: Seehofer hatte nur noch mal zeigen wollen, wer in der CSU die Entscheidungen trifft. Diesmal waren die Würfel tatsächlich zu Schmidts Gunsten gefallen.

Für den 56-Jährigen wäre es nicht das erste Mal gewesen, dass er für Höheres gehandelt wurde, und am Ende doch leer ausging. Schon bei den Koalitionsverhandlungen im vergangenen Herbst galt er als ein möglicher Ministerkandidat. Im Gespräch war er auch, als nach Friedrichs Aufstieg zum Innenminister 2011 ein neuer Landesgruppenchef gesucht wurde. 

Schon als Guttenberg-Nachfolger gehandelt

Und selbst als möglicher neuer Verteidigungsminister war er genannt worden, nachdem der einstige CSU-Hoffnungsträger Karl Theodor zu Guttenberg über seine Doktorarbeit gestolpert war. Dass daraus nichts wurde, habe nicht an mangelnder Fachkompetenz gelegen, sondern eher am fehlenden Profil, hieß es damals.

An Letzterem hat sich bis heute nicht allzu viel geändert. Zumindest wenn man es für Profil hält, wenn sich ein Politiker der Öffentlichkeit mit zugespitzten Positionen oder Angriffen auf führende Parteimitglieder bekannt macht. Beides ist Schmidts Sache nicht. Weswegen die große Mehrheit der Deutschen sich nun auch eher fragen dürfte Christian wer?

Dabei macht der CSU-Mann schon eine gefühlte Ewigkeit lang Politik. Seit 1990 sitzt der studierte Jurist bereits im Bundestag, elf Jahre lang war er dort Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Auswärtiges und Verteidigung, 2002 stieg er zum verteidigungspolitischen Sprecher der gesamten Unionsfraktion auf.  

Diener dreier Herren

2005 folgte die Beförderung zum Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, wo er unter drei verschiedenen Ministern seinen Dienst tat: Franz Josef Jung (CDU), Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) und Thomas de Maizière (CDU). Die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) freilich wollte seinen Posten mit einem eigenen Getreuen besetzen, sodass Schmidt im Herbst 2013 als Staatssekretär ins nun CSU-geführte Entwicklungsministerium wechselte.

Dass Seehofers Wahl bei der Suche nach einem neuen Landwirtschaftsminister auf Schmidt fiel, hat auch damit zu tun, dass in der CSU der Regionalproporz immer noch heilig ist. Weil der am Freitag zurückgetretene Friedrich ein Franke war, sollte diesem auch ein solcher folgen. Und dieses Kriterium erfüllte Schmidt schon mal. "Man muss Gott für alles danken, selbst für einen Franken", scherzen sie in der CSU nach seiner Nominierung.

Hinzu kommt, dass die Christsozialen nach Friedrichs Abgang wieder einen Protestanten an prominenter Stelle brauchten. Auch diese Voraussetzung trifft auf Schmidt zu. Er ist sogar stellvertretender Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der Union.